Posted-By: auto-faq 3.2.1.3
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		Fragen und Antworten (FAQ) ber

		   das Textsatzsystem TeX und
		       ~~~~~~~~~~~~~~~~~~
	DANTE, Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V.
	~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

	    === Teil 3: Textsatzsystem TeX - bersicht ==


3.1) Was ist TeX, METAFONT, TDS, ...?
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

3.1.1) Was ist TeX?

TeX ist ein Textsatzsystem, das von Prof. Dr. Donald E. Knuth
entwickelt wurde.
  Der Unterschied zu einer Textverarbeitung ist, da hier Text nicht
nur verarbeitet, sondern auch gesetzt wird.  Dies wird z.B. durch das
tiefergestellte E in dem Logo von TeX symbolisiert.  Diese Mglichkeit
wird in dem vorliegenden Text durch das kleingeschriebene `e'
angedeutet.  Auerdem dient die Schreibweise TeX zur Unterscheidung
von TEX.
  Aussprache: TeX wird nicht so ausgesprochen, wie es geschrieben
wird!  Aufgrund der griechischen Wurzel `tau epsilon chi' spricht man
das `X' in TeX wie ein ch- oder k-Laut, niemals wie ein x-Laut.  Man
spricht: `tech' wie in Technik.
  Persnliche Informationen ber Donald E. Knuth, ber seine Plne und
wichtige Hinweise fr die Benutzer von TeX kann man auf Knuths
WWW-Seite

	http://www-cs-faculty.stanford.edu/~knuth/

finden.


3.1.2) Was ist METAFONT?

METAFONT ist wie TeX von Prof. Dr. Donald E. Knuth entwickelt worden.
Es erlaubt die Beschreibung von Schriften und ganzen Schriftfamilien
durch ein Programm, den sogenannten Meta-Font.  Aus diesem Meta-Font
kann METAFONT nach Wahl verschiedener Parameter Schriften generieren,
die TeX verwenden kann.
  Um mit TeX zu arbeiten, ist METAFONT nicht zwingend erforderlich.  Es
ist auch mglich, zum Beispiel mit PostScript-Schriften zu arbeiten.
TeX bentigt von einer Schrift nur die Mae der einzelnen Zeichen und
weiterer schriftabhngiger Parameter, wie beispielsweise die Breite
eines Wortzwischenraumes.  Diese Informationen entnimmt TeX einer
TeX-Font-Metric-(tfm)-Datei.
  MetaPost ist ein aus METAFONT abgeleitetes Programm zum Erstellen
von PostScript-Zeichnungen (siehe Abschnitt 9.1.4).


3.1.3) Worin besteht der Unterschied zwischen IniTeX und VirTeX
       bzw. zwischen IniMF und VirMF?  Was ist eine sogenannte
       Format-, was eine Base-Datei?

IniTeX und VirTeX sind beides Varianten des Programmes TeX, wobei
IniTeX Code fr zustzlich Initialisierungsroutinen und erweiterte
-datenstrukturen enthlt, um beispielsweise Trennmusterdateien zu
laden und in kompakter Form wieder abzuspeichern oder eine Formatdatei
zu erzeugen.  IniTeX wird dazu verwendet, die TeX-internen
Datenstrukturen zu initialisieren -- daher der Name --, grere
Makropakete wie LaTeX, Schriftdateien und Trennmuster zu laden und in
einer kompakten, schnell wieder ladbaren Form in der sogenannten
Formatdatei abzuspeichern.  Formatdateien haben die Dateiendung `.fmt'
und den Vorgang, eine Formatdatei mit IniTeX zu erzeugen, nennt man
auch `ein Format dumpen'.
  Die zustzlichen Routinen und Datenstrukturen sind beim normalen
Gebrauch von TeX nicht notwendig, so da diese in der VirTeX-Variante
nicht vorhanden sind.  Dadurch kann man in VirTeX, dem `virgin' oder
jungfrulichem TeX, Speicherplatz sparen oder diesen fr andere Zwecke
einzusetzen.  VirTeX wird in den meisten TeX-Implementierungen unter
dem Namen `tex' aufgerufen, IniTeX entweder als `initex' oder ber
eine spezielle Kommandozeilenoption wie `tex -i' oder `tex -ini'.
  Analog zu IniTeX und VirTeX gibt es auch von METAFONT zwei
Programmvarianten namens IniMF und VirMF.  Statt Formatdatei heien
die von IniMF erzeugte Datei Basedatei und besitzt die Dateiendung
`.base' (oder `.bas').
  Der Aufbau der Format- und Basedateien sind nicht standardisiert!
Sie sind sowohl von der Implementierung als auch von der TeX- und
MF-Version abhngig.  Diese Dateien sollen von TeX bzw. MF mglichst
schnell geladen werden knnen, so da Implementierer hier hufig
betriebssystem- und implementierungsabhngige Optimierungen vornehmen
knnen.


3.1.4) Was ist eine dvi-Datei, was ist ein dvi-Treiber, was ist der
       DVI-Treiberstandard?

TeX erzeugt als wichtigste Ausgabe eine dvi-Datei.  Das Akronym `dvi'
steht fr `DeVice-Independent', d.h. der interpretierte Inhalt dieser
Datei kann auf fast jedem mglichen Ausgabegert ausgegeben werden.
Ein dvi-Treiber, ein spezielles Programm, liest eine dvi-Datei und
wandelt die in ihr enthaltenen Informationen in Steuerinformationen
fr einen speziellen Drucker (z.B. in PostScript oder in PCL) oder zur
Anzeige am Bildschirm fr ein spezieller Fenstersystem (wie X11) oder
Bildschirmtreiber.
  Besonders hervorzuheben ist an TeX, da _jede_ TeX-Implementierung
fr dieselbe Eingabe (also Dokument, verwendete Makros, Schriften,
Trennmuster, etc.) _unabhngig_ vom Ausgabegert und dessen Auflsung
_immer_ dieselbe dvi-Datei erzeugt.  TeX whlt also immer denselben
Absatz- und Seitenumbruch und dieselbe Plazierung von Zeichen, Linien,
usw. auf der Seite.
  dvi-Dateien enthalten alle Informationen, die zum Ausdruck oder zur
Anzeige der erzeugten Seiten notwendig sind.  Jedoch sind in einer
dvi-Datei nicht die tatschlichen Lettern der verwendeten Schriften
und das mit \special-Anweisungen eingebunde Material, wie Grafiken,
enthalten.  Diese mssen vom dvi-Treiber aus anderen Quellen, wie z.B.
pk-Dateien bei Schriften, gelesen und an das Ausgabegert geschickt
werden.  dvi-Dateien verwenden die TeX-interne Zeichenkodierung.  So
liegt beispielsweise der Argumenttext einer \special-Anweisung in der
dvi-Datei als eine in ASCII kodierte Zeichenkette vor.
  Die dokumentierte Source des Programms `dvitype' ist die kanonische
Referenz fr das dvi-Format.  Eine bessere, weil mit den mindestens
notwendigen Anforderungen an einen dvi-Treiber versehene Referenz ist
der
	DVI-Treiberstandard, Level 0

den man in CTAN: dviware/driv-standard/level-0/ finden kann.  In
diesem Standard findet man im Anhang neben einer Kopie der
dvi-Beschreibung aus `dvitype' noch die entsprechenden Beschreibungen
des tfm-, gf- und pk-Formates.  Weitere Papiere, Berichte, Vorschlge,
etc. findet man in CTAN: dviware/driv-standard/{papers,verification}/.


3.1.5) Wozu dienen Dateien mit Endung `.xyz'?

Die einzelnen Programme und TeX-Formate des Textsatzsystems TeX
verwenden sehr viele Dateien mit unterschiedlichen Endungen.  Damit
auch ein Anfnger relativ schnell einen berblick erhlt, folgt hier
eine Auflistung der hufigsten/wichtigsten Dateiendungen, sortiert
nach Programmen, TeX-Formaten und weitverbreiteten Implementierungen.

(plain-)TeX:

  .tex   Standarddateiendung fr alle Arten von TeX-Eingabedateien,
         einige Makropakete wie LaTeX verwenden andere Endungen, um
         zwischen Dokument- und den notwendigen Makrodefinitions-
         dateien zu unterscheiden.
  .fmt   TeX-Formatdatei (siehe Abschnitt 3.1.3)
  .dvi   TeX-Ausgabedatei, enthlt formatiertes Dokument (siehe
         Abschnitt 3.1.4)

  .pool  `String-Pool'-Datei, werden von IniTeX oder IniMF bentigt.
  .log
  .list  Protokolldatei eines TeX- oder MF-Laufs

METAFONT und Tools:

  .mf    MF-Eingabedatei
  .base  MF-Formatdatei (siehe Abschnitt 3.1.3)
  .tfm   MF-Ausgabe: TeX Font Metric (siehe Abschnitt 9.1.2)
  .*gf   MF-Ausgabe: `generic font' (siehe Abschnitt 9.1.2)
  .*pk   `packed raster' (siehe Abschnitt 9.1.2)
  .*pxl  `pixel' (siehe Abschnitt 9.1.2): veraltetes, durch
         `.*pk'-Dateien abgelstes Font-Bitmap-Format.

MetaPost:

  .mp    MetaPost-Eingabedatei
  .mem   MetaPost-Formatdatei (analog zu .fmt bzw. .base)

BibTeX:

  .bst   BibTeX-Style, enthlt Anweisungen an BibTeX, wie die
         Literaturangaben aus der .bib-Datei in die .bbl-Datei
         geschrieben werden sollen.
  .bib   BibTeX-Datenbank
  .blg   Protokolldatei eines BibTeX-Laufs
  .bbl   BibTeX-Ausgabe, meist in einer Form, da sie von LaTeX
         eingelesen werden kann.

MakeIndex:

  .ist   MakeIndex-Style, enthlt Anweisungen, wie aus den Eintrgen
         in der .idx/.glo-Datei die .ind/.gls-Datei generiert werden
         soll.
  .idx   Index-Datei, enthlt die unsortierten Indexeintrge
  .ind   MakeIndex-Ausgabe: fertig erstellter Index
  .glo   Glossar-Datei, enthlt analog zur .idx-Datei die unsortierten
         Glossareintrge
  .gls   MakeIndex-Ausgabe: fertig erstelltes Wrterverzeichnis/Glossar
  .ilg   Protokolldatei eines MakeIndex-Laufs

Texinfo (TeX-Format):

  .texi
  .texinfo
  .txi   GNU Texinfo-Dokumentquelldatei

docstrip-Archive (nicht nur fr LaTeX2e-Makropakete verwendbar):

  .dtx    docstrip-Archivdatei, kann mit dem in TeX geschriebenem
          Utility `docstrip' entpackt werden.
          (docstrip:  CTAN: macros/latex/base/docstrip.{dtx,ins})
          Historisch: Diese Archive hatten anfnglich die Endung .doc.
  .ins    Instruktionsdatei zum Entpacken eines docstrip-Archivs;
          zum Entpacken reicht der Aufruf ``tex filename.ins'',
          nheres bitte der mitgelieferten Dokumentation entnehmen!
  .drv    `Treiber'-Datei, fr einige .dtx-Dateien zur Formatierung
          der Dokumentation mit LaTeX verwendet.

  .fdd    docstrip-Archiv der LaTeX2e-.fd-Dateien
  .mbs    docstrip-Archiv der Master-Bibliography-BibTeX-Styles des
          `custom-bib'-Pakets

LaTeX(2e) (TeX-Format):

  .aux    Hilfsdatei, enthlt Querverweise, etc.
  .toc    Inhaltsverzeichnis
  .lof
  .lot    Verzeichnis der Abbildungen bzw. der Tafeln

  .ltx    Dokumentquelldatei, alternativ zur Endung .tex

  .cls
  .clo    TeX-Eingabedatei mit Definitionen fr die Dokumentenklasse
          und der entsprechenden Klassen-Optionen

  .sty    TeX-Eingabedatei mit Definitionen eines LaTeX2e-Pakets;
          in LaTeX 2.09 wurde diese Endung sowohl fr Styles (in 2e:
	  Klassen) als auch Style-Options (in 2e: Pakete) benutzt.

  .fd     TeX-Eingabedatei mit Font-Definition, enthlt Tabellen, mit
          denen die LaTeX2e-Spezifikation einer Schrift mittels
          Encoding, Family, Series und Shape in den Namen einer
          .tfm-Datei abgebildet wird.
          Der Name der .fd-Datei besteht aus Encoding und Family.

  .def    TeX-Eingabedatei mit Definitionen fr verschiedene Pakete,
          u.a. fr `inputenc', `fontenc' und `graphics'.

  .cfg    TeX-Eingabedatei mit Konfigurationeninformation

  .ldf    TeX-Eingabedatei mit der Language-Definition fr eine
          Sprache mit ihren Dialekten des babel-Pakets.
          Historisch: in lteren Babel-Versionen in .sty-Dateien
 
TeX-Implementierungen und Gertetreiber:

  .tcp	TeX-Code-Page-Definition (emTeX).
  .tcx  TeX-Code-Page-Definition (web2c v7.0, noch im Teststadium!)
  .enc  Encoding-Dateien fr PostScript-Schriften (dvips)
  .map  Zuordnungstabellen fr Fontnamen

Eine zwangslufig unvollstndige Liste von Dateiendungen kann man auch
im Buch `Der LaTeX-Begleiter' bzw. `LaTeX Companion' und im Buch
`Making TeX Work' (siehe Abschnitt 3.4.1) und in `The Components of
TeX' von Joachim Schrod (siehe Abschnitt 3.4.2) finden.


3.1.6) Was ist TDS, die `TeX Directory Structure'?

Hauptfunktion von TDS ist die Festlegung einer Grundstruktur fr ein
TeX-System.  In dieser kann TeX samt Hilfswerkzeugen, Makropaketen,
Fonts, etc. systematisch geordnet -- und damit fr _alle_
Installationen und Systeme gleich und einheitlich -- untergebracht
werden.  Somit knnen implementierungsunabhngige Teile beispielsweise
auch ber NFS-Mounts oder von CD-ROM fr alle Systeme zur Verfgung
gestellt werden.  Die von TDS festgelegte Grundstruktur ist offen,
kann also jederzeit fr weitere Applikationen erweitert werden.
  Der TDS-Standard richtet sich primr an TeX-Systemadministratoren
und Personen, die TeX-Distributionen zusammenstellen.  Wenn Entwickler
eines TeX-Pakets von einer generell gltigen Verzeichnisstruktur
ausgehen knnen, kann auch die Installation eines Pakets leichter
automatisiert oder zumindest mit sehr przisen Anweisungen versehen
werden.  Fr Endbenutzer ist eine solche wohldefinierte Systemstruktur
ebenfalls von Interesse, wenn sie sich mit der Ausstattung des
Systems, das sie benutzen, nher vertraut machen wollen.
  Der aktuelle TDS-Vorschlag ist in verschiedenen Dateiformaten (DVI,
PostScript, HTML, Texinfo, etc.) in CTAN: tex-archive/tds/ zu finden.


*3.1.7) Welche TeX-/METAFONT-/MetaPost-Version ist z.Zt. aktuell?

Mit Stand Mai 1996 sind die folgenden Versionen aktuell:

  TeX:		3.14159		(seit Mrz 1995)
  plain.tex:	3.141592	(seit April 1996)

  MF:		2.718		(seit Mrz 1995)
  plain.mf:	2.71		(seit Juni 1993)

  MetaPost:	0.631		(Oktober 1995)
  dvitomp.web:	0.63		(April 1995)
  plain.mp:	0.62		(Januar 1995)

  CM-Fonts:	--		(wichtige nderungen 1992,
				 kleinere nderungen Mrz 1995)

Neue Versionen von TeX und METAFONT werden von Donald E. Knuth nur
noch in immer grer werdenden zeitlichen Abstnden erstellt, so da
man ltere Versionen auf alle Flle durch die neueste Version ersetzen
sollte.
  Leider hat Knuth fr die CM-Fonts keine Versionsnummer vergeben, so
da es schwieriger ist, die Versionen mit den meist nur geringen
nderungen auseinanderzuhalten.  Da Knuth umfangreichere nderungen an
den CM-Fonts im Frhjahr 1992 durchgefhrt hat, sollte man alle
lteren CM-Font-Versionen auf die neue Version bringen.  Erkennbar
sind die alten Versionen beispielweise am horizontalen Querstrich am
Fu des groen kalligraphischen T `$\mathcal{T}$' (bzw `$\cal T$'),
der in der neuen Version fehlt oder an der rundlicheren, s-frmigeren
Form des kleinen Deltas `$\delta$', da in neueren Versionen der obere
Bogen nun etwas winkliger ausgefhrt wurde.
  ACHTUNG: TeX-Pakete, wie emTeX, vergeben meist noch eine eigene
Versionsnummer fr TeX und MF.  Man sollte die oben angegebene,
offizielle Versionsnummer nicht mit diesen verwechseln/vermischen.



3.2) Welche TeX-Formate gibt es?  Was ist LaTeX?
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

3.2.1) Was ist ein (TeX-)Format?

Das Programm TeX besteht neben einem Teil, mit dem Text und
mathematische Formeln gesetzt, Abstze umbrochen und alles zu Seiten
zusammenmontiert wird, und aus einem Makroprozessor.  Dieser
Makroprozessor stellt eine mchtige, wenn auch fr die meisten eine
eher ungewohnte Programmiermglichkeit dar, mit der man den sehr
einfachen Befehlssatz von TeX durch eigene benutzerfreundlichere
Makros ergnzen kann.  Einen abgeschlossenen Satz von solchen Makros
nennt man Format.  Eine Formatdatei ist eine mit IniTeX durch `Dumpen'
erzeugte Datei, die diese Makros enthlt (siehe Abschnitt 3.1.3).
Meist wird der Formatname auch fr das Programm VirTeX verwendet, wenn
man die zugehrige Formatdatei ldt, so da man bei Verwendung des
Formatnamens diese Mehrdeutigkeit bedenken sollte.
  Ohne vom Benutzer definierte Makros besitzt TeX nur ca. 300
primitive `control sequences', davon sind ungefhr die Hlfte
Anweisungen, die andere Hlfte Parameter.  Fr einen Autor sind diese
Anweisungen zu einfach und drftig, so da es ratsam ist, als Autor
mchtigere und damit einfacher benutzbarere Anweisungen in Form von
Makros zu verwenden.


3.2.2) Was ist plain-TeX?

Donald E. Knuth hat fr TeX ein Makropaket namens plain-TeX erstellt
und diese Makros im Buch `The TeXbook' beschrieben.  Dabei stellt
plain-TeX einen minimalen Satz an Makros dar, um TeX sinnvoll
verwenden zu knnen.  Zustzlich enthlt plain-TeX einige Makros, wie
`\beginsection' oder `\proclaim', die man als Beispiel fr komplexere
Anweisungen ansehen kann.
  Wenn jemand sagt, da er ``TeX programmiert'', so meint er
normalerweise, da er in TeX und den plain-TeX-Makros programmiert.


3.2.3) Was ist LaTeX bzw. LaTeX2e?

LaTeX ist ein in den Jahren 1982-1986 von Leslie Lamport geschriebenes
Makropaket fr TeX.  Es erlaubt dem Autor eines Dokuments, die
einzelnen Teile gem ihrer logischen Bedeutung, wie z.B.
`berschrift', `Aufzhlung', `Aufzhlungspunkt' usw., zu markieren.
Anhand dieser Markierungen, dem sogenannten `Markup' oder der
Text-Auszeichnung, kann (La)TeX das Dokument unter Verwendung eines
vorgefertigten Layouts in Buchdruck-Qualitt setzen und mittels
sogenannter Gerte-Treiber ausdrucken.
  Fast 10 Jahre war LaTeX in der Version 2.09 aktuell, wobei es in den
letzten Jahren immer mehr inkompatible Erweiterungen gab.  Seit dem
Juni 1994 ist LaTeX2e die aktuelle Version.  Diese wird regelmig im
Juni und Dezember jeden Jahres auf den neuesten Stand gebracht.


3.2.4) Was ist AMS-TeX, AMS-LaTeX und LAMSTeX?  Was sind die
       AMS-Fonts?

AMS-TeX ist ein in den Jahren 1983-1985 von Michael D. Spivak fr die
American Mathematical Society (AMS) geschriebenes Makropaket, das auf
plain-TeX basiert.  Es erweitert plain-TeX um sehr viele fr den
mathematischen Formelsatz notwendige Konstrukte, die in Artikeln in
den von der AMS herausgegebenen Zeitschriften bentigt werden.  Dieses
Makropaket wird im Buch `The Joy of TeX' von Michael Spivak
(2.Auflage, AMS, 1990, ISBN 0-821-82997-1) beschrieben.
  Mit der weiteren Verbreitung von LaTeX entwickelte die AMS um 1990
mehrere auf LaTeX basierende Makropakete, die unter dem Namen
AMS-LaTeX zusammemgefat werden.  Diese LaTeX-Pakete stellen einem
Autor einen Groteil der in AMS-TeX enthaltenen Konstrukte zur
Verfgung.
  LAMSTeX nennt sich Michael Spivaks Anpassung von AMS-TeX an LaTeX,
die jedoch nur einen sehr kleinen Nutzerkreis hat und nicht weit
verbreitet ist.
  Fr den mathematischen Formelsatz fehlen den von Donald E. Knuth
erstellten Schriften weitere dringend notwendige Zeichen.  Diese
werden durch die AMS-Fonts zur Verfgung gestellt, die u.a. weitere
CM-Schriften, Euler-, `msam'-, `msbm'- und kyrillische Schriften
enthalten.


3.2.5) Was ist Texinfo?

Texinfo ist ein Dokumentationssystem, das zur Dokumentation der
GNU-Sofware verwendet wird.  Die Dokumentation wird dabei in einer
Quelldatei mit der Dateiendung `.texi' (oder `.txi' bzw. `.texinfo')
abgelegt, aus der einerseits sogenannte `info'-Dateien, ein on-line
mit dem GNU-Emacs oder der Programm `info' lesbarer Hypertext, erzeugt
werden kann.  Andererseits stellt die Quelldatei eine TeX-Datei dar,
die zur Formatierung mit TeX das Texinfo-Format bentigt.
  Texinfo basiert auf plain-TeX.



3.3) Welche TeX-Weiterentwicklungen gibt es?
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

3.3.1) Was ist TeX-XeT bzw. TeX--XeT?

Donald E. Knuth und Pierre MacKay entwickelten eine TeX-Erweiterung
namens TeX-XeT, die es erlaubt, Texte, die von links nach rechts
geschrieben werden, mit Texten, die von rechts nach links (Bsp:
arabisch, hebrisch) geschrieben werden, beliebig zu mischen.  TeX-XeT
erzeugt jedoch sogenannte ivd-Dateien, d.h. dvi-Dateien mit
zustzlichen dvi-Codes, die von blichen dvi-Treibern nicht verstanden
werden und damit zu Fehlern oder zum Abbruch des dvi-Treibers fhren.
Diese ivd-Dateien bentigen daher spezielle dvi-Treiber oder sie
knnen mit dem Programm `ivd2dvi' in gewhnliche dvi-Dateien
konvertiert werden.  Die TeX-nderungen fr TeX-XeT wurden in einem
Artikel in TUGboat 8, 1987 (S. 14-15) verffentlicht.
  TeX--XeT ist eine TeX-XeT-Reimplementierung von Peter Breitenlohner.
Im Gegensatz zu TeX-XeT erzeugt TeX--XeT gewhnliche dvi-Dateien, die
somit von jedem dvi-Treiber gelesen werden knnen.  Die neueste,
verbesserte Version von TeX--XeT ist in e-TeX Version 1 (siehe
Abschnitt 3.3.3) integriert.

TeX--XeT:  CTAN: systems/knuth/tex--xet/  (veraltet!)
ivd2dvi:   CTAN: dviware/ivd2dvi/


3.3.2) Was ist MLTeX?

MLTeX ist eine TeX-Erweiterung von Michael J. Ferguson, die es
ermglicht, da auch mit den blichen CM-Schriften Trennmuster mit
akzentuierten Zeichen verwendet und damit Wrter mit akzentuierten
Zeichen getrennt werden knnen.  In Standard-TeX ist dies nicht
mglich, da es notwendig ist, da die verwendete Schriften diese
akzentuierten Zeichen enthalten (siehe Abschnitt 5.3.1).  In MLTeX
wird vorgegaukelt, da die akzentuierten Zeichen in den Schriften
existieren, diese aber dann durch sogenannte `character
substitutions', die mit dem neuen Primitiv \charsubdef definiert
werden, durch tatschlich in der Schrift vorhandene Zeichen
zusammengebaut.  Bei Verwendung von T1-kodierten Schriften, wie
z.B. die DC-Schriften, ist MLTeX nicht mehr notwendig.
  MLTeX hat sich aus verschiedenen Grnden hauptschlich im
franzsischsprachigen Raum verbreitet.  Aktuell ist Version 2.2 vom
Dezember 1995.  ltere Versionen haben verschiedene Programmfehler,
die u.a. zu Problemen fhren, falls MLTeX mit nichtlateinischen
Schriften (z.B. mit ArabTeX) verwendet werden.  Mit `mltextst.tex'
gibt es eine Testdatei, um eine MLTeX-Implementierung auf die
bekannten Fehler zu testen.

MLTeX:         CTAN: systems/generic/mltex/
mltextst.tex:  CTAN: systems/generic/mltex/mltextst.tex


3.3.3) Was ist Omega, NTS, e-TeX?

TeX, METAFONT und die anderen Programme von Prof. Knuth wurden von ihm
in ihrem jetzigen Zustand eingefroren.  Es werden nur noch Fehler
entfernt, jedoch wird es keine grundlegenden nderungen und
Weiterentwicklungen dieser Programme geben.  Daher gibt es momentan
zwei Gruppen, die die Weiterentwicklung des Textsatzsystems TeX zum
Ziel haben.
  `Omega' wird von John Plaice und Yannis Haralambous entwickelt und
ist Anfang Dezember 1995 in einer zweiten Version verffentlich
worden.  Als Basis von Omega dient der Quellcode von TeX und METAFONT,
wobei beide Programme um die Mglichkeit erweitert wurden, intern
Zeichen in UNICODE zu reprsentieren (pro Zeichen 16 bit statt 8 bit).
Durch die Verwendung von UNICODE und von sogenannten Ein- und Ausgabe-
Filtern wird eine Anpassung an verschiedene Sprachen sehr einfach.  So
kann beispielsweise durch Wahl von entsprechenden Filtern ein Dokument
sehr einfach in arabischer Schrift gesetzt werden, in der ein
einzelnes Zeichen abhngig vom Kontext in bis zu vier mglichen
Darstellungen gesetzt wird.
  `NTS' (oder das `New Typesetting System') wird von der NTS-Gruppe
unter Leitung von Phil Taylor geplant.  NTS ist eine radikale
Neuentwicklung eines Textsatzsystems, das jedoch weiterhin einen
TeX-Kompatibilittsmodus haben wird.  Die Realisierung von NTS ist
langfristig ber mehrere Jahre angelegt, da hierzu grere Ressourcen
notwendig sind und erst beschafft werden mssen.  Daher existiert NTS
momentan nur als Konzept und eine Liste von Anforderungen und
Erweiterungswnschen.
  In der Zwischenzeit wird unter dem Namen `e-TeX' (extended/enhanced
TeX) von der NTS-Gruppe TeX um dringend bentigte Erweiterungen
ergnzt, wobei dies im Rahmen und natrlich auch den Beschrnkungen
der aktuellen TeX-WEB-Source geschieht.  Bei dieser Erweiterung ist
ein wichtiges Ziel von e-TeX, weiterhin 100% kompatibel zu TeX zu
bleiben, solange die Erweiterungen nicht benutzt werden.  Die
Verteilung fr e-TeX V1.1 wird z.Zt. vom e-TeX-Team fertiggestellt
(und sollte lngst fertig und verffentlicht sein :-().



3.4) Literatur
~~~~~~~~~~~~~~

3.4.1) Bcherliste

Es wird hier nur eine kleine Auswahl von hauptschlich
deutschsprachigen Bchern vorgestellt.  Am besten selbst in der
Bibliothek oder Buchhandlung schmkern, was fr einen das Beste ist.

Lamport, Leslie: Das LaTeX Handbuch,
  Verlag Addison-Wesley, 1995, ISBN 3-89319-826-1, DM 69,90
  Anm.: _die_ LaTeX(2e)-Referenz, fr Anfnger

Goossens, Michel u.a.: Der LaTeX-Begleiter,
  Verlag Addison-Wesley, 1995, ISBN 3-89319-646-3, DM 79,90
  Anm.: Tips, Tricks, viele LaTeX(2e)-Makropakete,
        fr Fortgeschrittene und fortgeschrittene Anfnger,
        aufgrund des Titelbildes das sog. `Bernhardiner-Buch'

Abdelhamid, Rames: Das Vieweg LaTeX2e Buch,
  Vieweg Verlag Wiesbaden 1995, ISBN 3-528-25145-X, DM 39,80
  Anm.: fr Anfnger

Dietsche, Luzia; Lammarsch, Joachim: LaTeX zum Loslegen,
  Springer-Verlag,  1994, ISBN 3-540-56545-0, DM 39,--
  Anm.: Schnellkurs in LaTeX 2.09, fr Anfnger

Heilmann, Axel: LaTeX-Vademecum, Ein Kompaktfhrer fr Einsteiger
  und Fortgeschrittene, Verlag Springer, ISBN 3-540-60522-3, DM 38,--
  Anm.: kleines und praktisches Nachschlagewerk, kann und will nicht
        den LaTeX-Begleiter ersetzen, ist aber eine gute Ergnzung

Wonneberger, R.: Kompaktfhrer LaTeX,
  Verlag Addison-Wesley, 1993, ISBN 3-89319-589-0, DM 29,80
  Anm.: Name sagt alles, LaTeX 2.09, fr den knappen Geldbeutel

Sowa, Friedhelm: TeX/LaTeX und Graphik. Ein berblick ber die
  Verfahren, Springer-Verlag,  1994, ISBN 3-540-56468-3, DM 39,--
  Anm.: der `Nothelfer', wenn es um TeX und Graphik geht

Schwarz, Norbert: Einfhrung in TeX,
  Verlag Addison-Wesley, 1991, ISBN 3-89319-345-6, DM 69,--
  Anm.: TeX & plain-TeX, kein LaTeX(!), fr Fortgeschrittene

Kopka, Helmut: LaTeX, Band 1: Einfhrung,
  Verlag Addison-Wesley, 2., berarbeitete Auflage, 1996,
  ISBN 3-8273-1025-3, DM 69,90
  Anm.: Ab der 2. Auflage auch LaTeX2e, im Anhang gute
        Befehlsbersicht, fr Anfnger

Kopka, Helmut: LaTeX, Band 2: Ergnzungen
  Verlag Addison-Wesley, 1994, ISBN 3-89319-665-x, DM 69,90
  Anm.: Name sagt alles, enthlt LaTeX2e-Einfhrung

Kopka, Helmut: LaTeX, Band 3: Erweiterungen
  Anm.: in Arbeit

Kopka, Helmut und Daly, Patrick W.: A Guide to LaTeX2e  (englisch),
  Verlag Addison-Wesley, 2. Aufl., 1995, ISBN 0-201-42777-X, ca. DM ???
  Anm.: Englische bersetzung des ``Kopka'' mit vielen berarbeitungen
        und Anpassungen fr englischsprachige Benutzer

Walsh, Norman: Making TeX Work  (englisch),
  Verlag O'Reilly&Associates Inc., 1994, ISBN 1-56592-051-1, ca. DM 60,--
  Anm.: Gute Einfhrung und bersicht; Fundgrube fr Tools, Makro-
        pakete, Schriften; teilweise mit genauerer Beschreibung

Hinweise: Als LaTeX-Anfnger sollte man sich ein ausfhrliches
Lehrbuch (z.B. `Lamport', `Abdelhamid', `Kopka'/Band 1, `Kopka/Daly')
besorgen.  Frei verfgbare LaTeX2e-Kurzbeschreibung (siehe Abschnitt
3.4.2) oder eine der einfacheren Einfhrungen oder bersichten
(z.B. `Dietsche/Lammarsch', `Heilmann', `Wonneberger') reicht einigen
Anfngern mit Computer-Vorkenntnissen eventuell auch aus.  Sobald man
als LaTeX-Anwender die ersten Schritte gemacht hat, ist der
`LaTeX-Begleiter' eine wahre Fundgrube.  Mu oder will man sein
eigenes TeX-System selbst installieren und verwalten, gibt der wenn
auch mittlerweile veraltete `Walsh' eine gute Erklrung und bersicht
der einzelnen Teile des Textsatzsystems TeX und darberhinaus viele
Hinweise und eine Auswahl, was es sonst noch an Umgebungen,
Hilfsprogrammen, Schriften etc. gibt.  Das Standardwerk fr
TeX-Anfnger und alle Makroautoren ist Knuths `TeXbook', das man sich
auch zulegen sollte, wenn man zuerst mit Hilfe des in Deutsch
geschriebenen `Schwarz' einsteigen will.


3.4.2) Frei verfgbare (La)TeX- und METAFONT-Einfhrungen

Diese Dokumente sind von den Autoren als (La)TeX-Eingabedateien auf
CTAN zur freien Verfgung gestellt worden.  Sie finden diese und
weitere Dokumente meist im Directory ``info/'' auf CTAN.  Folgende
Liste stellt eine kleine Auswahl dar:

Knappen, Jrg; Partl, Hubert et.al: LaTeX2e-Kurzbeschreibung
  CTAN: info/LaTeX2e-Kurzbeschreibung/
  Anm.: zum Einstieg in LaTeX(2e) vllig ausreichend, fr Anfnger

Partl, Hubert; Kielhorn, Axel: Layout-nderungen mit LaTeX
  CTAN: macros/latex/contrib/supported/refman/
  Anm.: Wie verndere ich X? Anhand von Beispielen aus `refman.sty'

Schrod, Joachim: The Components of TeX, (englisch)
  CTAN: info/components-of-TeX/
  Anm.: bersicht ber die Teile und der von diesen Teilen angefaten
        Dateien eines TeX-Systems

Warbrick, Jon: Essential LateX, (englisch)
  CTAN: info/latex-essential/
  Anm.: LaTeX 2.09, ganz kurz gefat.

Doob, Michael: A Gentle Introduction to TeX, (englisch)
  CTAN: info/gentle.tex
  Anm.: Kurzbeschreibung von TeX, nicht LaTeX!

Tobin, Geoffrey: METAFONT for Beginners, (englisch)
  CTAN: info/metafont-for-beginners.txt
  Anm.: Enthlt das Wichtigste, um mit METAFONT aus vorhandenen
        mf-Sources Fonts zur Nutzung mit TeX zu generieren.

Reckdahl, Keith: Using EPS Graphics in LaTeX2e Documents, (englisch)
  CTAN: info/epslatex.ps
  Anm.: Was Sie schon immer ber die Einbindung von Encapsulated-
        PostScript-(EPS)-Bildern, BoundingBox, die Benutzung des
        `graphics'-Pakets und weiterer LaTeX-Umgebungen und -Pakete
        wie `PSfrag' wissen wollten.


*3.4.3) Typographie-Bcher

Tschichold, Jan: Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie,
  Eine Fibel fr jedermann,
  Maro-Verlag, Augsburg, 2. Auflage 1992, ISBN 3-87512-403-0, DM 32,--
  Anm.: allgemeiner berblick, Elementarkenntnisse

Tschichold, Jan: Ausgewhlte Aufstze ber Fragen der Gestalt des
  Buches und der Typographie,
  Birkhuser-Verlag, Basel, 1975, ISBN 3-7643-1946-1
  Anm.: Eines der wichtigsten Bcher ber typographische Prinzipien
        beim Buchsatz, Sammlung von Tschicholds `klassischen' Artikel

Tschichold, Jan: Die neue Typographie,
  Brinkmann und Bose, 3. Auflage 1995, ISBN 3-922660-23-1, DM 80,--

Aicher, Otl: Typographie,
  Ernst-Verlag, Ldenscheid, 1988, ISBN 3-433-03090-6

--- DE-TeX-FAQ Ende Teil 3 ---
