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             SSR-SPECIAL PHONEPHREAKS & Telfonhacker
                   vom 16.9.89 13.00-14.00 Uhr
                          auf Radio 100
 
                       ###   3. Teil  ###
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Interview  mit  Emanuel  Goldstein,  Herausgeber  von  2600  (NY) 
gefhrt Ende August 1989
 
Mod: Die Telefonhacker sind nicht ausgestorben, es gibt sie heute 
noch in den USA. Wir haben mit Emanuel Goldstein gesprochen,  dem 
Herausgeber    von    2600,   dem    grten    us-amerikanischen 
Telefonhackermagazin  und ihn gefragt, wie es denn heute mit  dem 
Telefonhacken in den USA aussieht.
 
EG: Es ist anders, man kann die Sachen nicht mehr machen, die man 
frher  machen  konnte - es ist sehr schwer, fast  unmglich  das 
Gert  zu  benutzen, das als Blue Box bekannt ist , also  das  zu 
tun,  wozu  die Captain Crunch Pfeife - der 2600 Hertz-Ton  -  in 
erster  Linie  benutzt  wurden. Wenn man  heutzutage  einen  2600 
Hertz-Ton  nimmt, passiert entweder garnichts, oder er  alarmiert 
die  Telefongesellschaft, da da jemand etwas unerlaubtes  treibt. 
Deswegen  machen  die  meisten Leute   soetwas  nicht  mehr,  die 
meisten  telefonieren mit x-verschiedenen Methoden  umsonst.  Wir 
haben  -  seit dem die Bell Operating Company  aufgeteilt  wurde, 
viele, sehr viele Telefongesellschaften. Und die meisten arbeiten 
so:  Du  whlst  eine bestimmte  Nummer,  kriegst  einen  weitern 
Whlton, und dann gibt man seinen Code ein, das knnen 5  Ziffern 
sein,  das knnen auch 14 Ziffern sein. Die Leute  erraten  jetzt 
diese Codes. Sie berlegen sich, wie dieser Code aussehen knnte, 
lassen ihren Computer alle mglichen Codes ausprobieren - das ist 
ein Weg, um von berall aus umsonst zu telefonieren.
 
frage: what are these codes for ? 
Frage: Was sind das fr Codes ? 
 
EG:  Die sind fr andere Long-distance Telefongesellschaften.  Es 
gibt  jetzt viele Telefongesellschaften in den USA - Da  gibt  es 
AT&T, MCI, Sprint, Western Union, ITT, TBX, RCI, haufenweise. Und 
alle  haben, was wir DIAL-UPs nennen. Und das luft so: Wenn  man 
eine Telefonzelle benutzt, und statt Geld einzuwerfen, sollen die 
Kosten fr den Anruf auf dein Konto bei MCI gebucht werden,  dann 
wrde man den MCI-Whlton anrufen - der dann sozusagen nachfragt: 
Wer  sind  sie?  Man  identifiziert  sich  dann,  indem  man  die 
Codenummer  eintippt,  die zu dem Telefonkonto gehrt.  Aber  die 
Kiste  weiss natrlich nicht wer ich bin, sie weiss nur,  da  das 
die Nummern sind, die eingegeben wurden.
 
frage:  sind  das  die sogenannten "magic  numbers"  die  man  an 
Telefonzellen kaufen kann ?
 
EG:  Die  man kaufen kann? Es gibt Leute, die sowas  verkaufen  - 
Hacker  verkaufen keine Codes, darum gehts nicht beim Hacken.  Es 
gibt viele verschiedene Arten von Nummern, vielleicht werden  sie 
irgendwo "Magic Numbers" genannt. Zum Beispiel AT&T - Codes,  die 
die  gefhrlichsten  sind, denn, wenn man einen Anruf  mit  einer 
AT&T-Code  macht, wird die Nummer ausgedruckt. Wenn ich  in  eine 
Telefonzelle gehen wrde, und das gilt jetzt nur fr Amerika, und 
einen  AT&T-code, eine Telefonkartennummer, benutzen wrde -  auf 
der Rechnung stnde dann welchen Anschluss ich angerufen hab, und 
von wo genau ich diese Nummer angerufen hab, also welches Telefon 
ich benutzt habe. Wenn man selber diesen Anruf nicht gemacht hat, 
kann man also leicht herausfinden, wer da telefoniert hat.
 
Frage:  Kann  man  noch andere Dinge machen,  ausser  umsonst  zu 
telefonieren ?
 
EG: How so ?? other ways of making phonecalls ?
 
Frage:  Es geht meistens darum, umsonst zu telefonieren -  machen 
Phonephreaks noch etwas anderes ?
 
EG:  Information austauschen. Informationen darber  austauschen, 
wie  verschiedene Telefonsysteme funktionieren. In  Amerika  kann 
man  ziemlich leicht herausfinden, an welchen  Telefonsystem  das 
eigene  Telefon  dranhngt. Es gibt ein  primitives  System,  das 
mechanisch  arbeitet  und  ein modernes,  das  digital  ist.  Die 
meisten  Phonephreaks knnen sofort sagen, an welchem System  sie 
dranhngen.  In  Deutschland  ist  es  nicht  so  leicht,   diese 
Information zu kriegen, und ich glaube, das liegt daran, das  die 
Leute nicht wissen, wonach sie suchen sollen. Ich konnte hier nen 
bischen  mit  den  Telefonen  rumspielen  und  nen  paar   sachen 
rauskriegen.  Es  gibt step-by-step-Vermittlungen,  das  ist  die 
lteste mechanische Vermittlung, die es gibt. Aber es werden auch 
digitale  installiert, und ich glaube in ein paar Jahren gibt  es 
auch  in  diesem Land unendliche Mglichkeiten, so wie  sich  die 
Dinge ndern.
 
Und  hoffentlich gibt es dann hier und in der  DDR  Phonephreaks, 
die experimentieren . Und was ich meine, wenn ich experimentieren 
sage,  ist: MAn hebt ab, whlt Nummern und guckt,  was  passiert, 
wenn man sie whlt. Das kann etwas teuer werden, wenn man Nummern 
whlt,  die  in  ferne Gegenden fhren, aber es  kann  auch  eine 
Entdeckung   sein.   Man  wird  NUmmern  finden,  die   nur   die 
Telefongesellschaft   fr  bestimmte  Dinge  benutzt,  man   wird 
Testvermittlungen   finden,   Abkrzungen   in   andere   Lnder, 
vielleicht sogar Whltne. Anders gesagt: Du whlst ne Nummer und 
bekommst  einen  weiteren Whlton. Und vielleicht  mu  man  noch 
nicht  mal  bezahlen, wenn man diesen Whlton bentzt  -  das  ist 
mglich.  Es  gibt viele Mglichkeiten. Und ich denke,  einer  der 
besten  Wege, anzufangen, ist das Telefonbuch  aufzuschlagen  und 
die  ersten zwei Stellen der Telefonnummern  aufzuschreiben.  Das 
geht mit EINS NULL los, dann EINS EINS , EINS ZWEI, bis rauf nach 
NEUN  NEUN. Dann schaust du im Telefonbuch nach Nummern, die  mit 
diesen  zwei  Stellen anfangen. Nachdem du dann ein  paar  Seiten 
durch  hast, hast du ein paar Lcher. Zum Beispiel: Keine  Nummer 
fngt  mit ACHT ACHT an oder keine Nummer beginnt mit FNF  FNF. 
(Beispiele) Und dann hebst du ab und whlst FNF FNF um zu sehen 
was  passiert.  Und vielleicht kriegst du  irgendeinen  magischen 
Computer,  der nicht im Telefonbuch auftaucht. So hackt  man  ein 
telefonsystem  aus,  und das ist es was Phonephreaks in  den  USA 
machen.  Bei uns gibt es sogenannte 800er-Nummern, die  kann  man 
umsonst anrufen, und es gibt Tausende davon. Du hebst ab,  whlst 
die  Vorwahl 800 und dann eine 7stellige Nummer. Es ist  umsonst, 
und  manchmal  wird  man  mit  den  irrsten  sachen  verbunden  - 
Computer, Whltne, manchmal ins Ausland. In Deutschland gibt  es 
sowas noch nicht, es gibt nur die 0130-Vorwahl, wo einem nur  ein 
Ortsgesprch  berechnet  wird,  aber ich  glaube  ab  1990  wirds 
umsonst sein. Es ist gut, solche Sachen durch zu scannen. In  den 
USA scannen wir dauernd, suchen Nummern. Und das  allerwichtigste 
dabei ist: die Information weitergeben. Es gibt eine Gemeinschaft 
von  Phonephreaks,  die  reden  miteinander,  packen  Sachen   in 
Mailboxen,   geben  kleine  Zeitungen  raus.  Wenn   jemand   was 
interessantes findet - und jeder findet was interessantes -  dann 
spielen  alle damit, alle experimentieren damit und alle  lernen. 
Und das ist es, worum es dabei geht.
 
frage: Ist es nur Spass, oder ist es irgendwie politisch ?
 
EG: ES hat politische Untertne. Aber die meisten Phonephreaks in 
den  usa  knnten sich gar nicht weniger um Politik  kmmern.  Sie 
sind  daran  nicht  interessiert. In den  USA  finden  die  Leute 
Politik nicht so wichtig. Viele whlen nicht, viele wissen nicht, 
was  in der Welt so los ist - es ist falsch, aber sie glauben  es 
hat nix mit Ihnen zu tun. In Deutschland ist das anders, denn ihr 
seit  in  den  Sachen drin. In den USA machen sie  es  meist  aus 
Spass,  aber  whrend sie es machen, und je mehr sie  es  machen, 
desto  mehr  begreifen sie, wie  wichtig  bestimmte  fundamentale 
Werte  sind, wie Redefreiheit. Und sie begreifen, wenn  es  keine 
Redefreiheit  gbe, knnte ich das hier nicht machen. Ich  knnte 
nicht   experimentieren  und  mit  Leuten  reden.  Es   ist   ein 
lernprozess,  sie lernen, wie wichtig diese  grundlegenden  Werte 
fr sie sind. Sie fangen nicht mit diesen sachen im Kopf an,  und 
sie haben keinen bestimmtes Ziel, ausser vielleicht selber  etwas 
zu lernen. Aber wenn man einmal anfngt Information zu verteilen, 
Information  mit  anderen zu teilen, begreift man  die  Bedeutung 
dieses Gemeinschaftsgeistes.
 
 
                Was bei der Post so mglich war.
 
Nun  haben  wir  mal  wieder gehrt,  da  Amerika  das  Land  der 
unbegrenzten  Mglichkeiten ist. Doch leider - oder  Gottseidank, 
ich  bin  mir  da  nicht so sicher  -  gehrt  mein  Telefon  der 
Deutschen Bundespost. Was geht denn nun im goldenen Westberlin  ? 
Alles, was wir wissen ist eins: Alles was wir wissen funktioniert 
nicht mehr. Auch im Wirkungsbereich der deutschen Bundespost  war 
es mal mglich, den Gebhrenzhler matt zu setzen. Das geht  nicht 
mehr - zumindest, bis jemand eine Idee hat. Nun klickert also  in 
regelmigen  Abstnden der Zhler im  zustndigen  Fernmeldeamt. 
Damit  der  Endbenutzer  auch etwas  davon  mitkriegt,  wird  der 
Gebhreneinzug   als  16  KiloHertz  Impuls  ber   die   Leitung 
geschickt. Wer jetzt aber nachdenkt und meint:
 
Hmm,  wenn  der  Zhler  bei 16  KiloHertz  anzieht,  hmm,  warum 
verlngern  wir den Impuls nicht fr die Dauer des  Gesprches  ? 
Einfach zu Beginn der Verbindung einen 16 Kilohertz - Ton auf die 
Leitung legen und der Zhler zieht einmal an und fllt nicht mehr 
ab.  Das  ging auch mal - aber jetzt eben nicht  mehr.  Auch  das 
Black-Box-Prinzip  ist nicht mehr anwendbar. Mit einer Black  Box 
tuscht  man  dem  Telefonnetz vor, da  das  Telefon  immer  noch
klingelt  -  whrend man schon lange rangegangen ist.  Soll  auch 
nicht mehr gehen. Ausserdem kann man bei Ferngesprchen nur 15mal 
klingeln lassen, dann wird man aus der Leitung geschmissen.
 
Es  soll  allerdings einigen bayrischen  Telefonhackern  gelungen 
sein,  im Zusammenhang mit dem automatischen Prfplatz  der  Post 
ein  Whlton  zu bekommen. Die Nummer  dieses  Prfplatzes  fngt 
vermutlich  mit  Eins  an... Soviel dazu, mehr  wissen  wir  auch 
nicht.
 
Es sieht also ganz danach aus, als htten wir hierzulande einiges 
an  Entwicklungshilfe  ntig. Den grundlegenden  Hinweis  hat  ja 
vorhin Emanuel Goldstein gegeben - Scannen. Nummern ausprobieren, 
die   nicht  im  Telefonbuch  stehen.  Oder  einfach   ein   paar 
Informationen   darber  austauschen,  was  einem   neulich   fr 
merkwrdige  Dinge am Telefon passiert sind. Ich hab  da  neulich 
mal  ein  paar  Tasten gedrckt - "du-  diiiie  -  diiiep   Keine 
Verbindung  unter dieser Vorwahl" -aber das war nicht  immer  so. 
Und jetzt habe ich ein paar Fragen: Welche Stadt hat die  Vorwahl 
0137 ? Oder: Berlin hat 030, die DDR 037 - wo liegt 031 bis 036 ? 
Wen einer von euch uns diese Fragen beantworten kann - oder  auch 
sonst  etwas zum Telefonhacken sagen mchte, vielleicht  das  ihm 
was merkwrdiges am Telefon passiert ist, dann ruft uns an :
 
216 93 93 (nur waehrend und kurz nach der Sendung)
 
Wir sind aber auch anders zu erreichen, und zwar so:
 
(Spot Mailbox)
 
Noch  ein  kleiner Hinweis: Jeder eigenmchtige Eingriff  in  das 
Telefonsystem     stellt     einen     Versto     gegen      das 
Fernmeldeanlagengesetz  dar.  Wie  schon  Chesire  Catalyst,  der 
Herausgeber  des TAP -infodienstes sagte: Wir schreiben nur,  was 
die  Kids nicht tun sollen, und zwar ganz detailliert: Ihr  sollt 
nicht  einen 2,4 KiloOhm Widerstand parallel schalten umit  einem 
0,3  Mikrofarad-  KOndensator  und  es  in  dieser  Form  an  die 
Telefonmleitung anschliessen. Das ist nicht erlaubt.
 
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