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             SSR-SPECIAL PHONEPHREAKS & Telfonhacker
                   vom 16.9.89 13.00-14.00 Uhr
                          auf Radio 100
 
                       ###   2. Teil  ###
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                  Don Ballanger macht Scheisse
 
Ballanger  benutze  die Blue Box fr schlechte Dinge,  er  machte 
blde  Sachen,  wie das Anrufen von Informationsnummern.  Zu  der 
Zeit  war es so, wenn du eine Informationsnummer  anrufst,  wurde 
kein Hrer-Abgenommen-Signal gesendet.
 
Und  dann sah der Typ, der Ballangers rechnung machte, all  diese 
hergestellten  Verbindungen mit der Informationsnummer  555-1212. 
Die  Telefongesellschaft bekam die Information vom  Computer  und 
sagte: Hey, das sieht aber nicht richtig aus. Wie kannst du  eine 
Antwort  auf eine 555-1212 Nummer bekommen ? Zu dieser  Zeit  war 
noch nicht klar, da soetwas mglich ist. So hrten sie fr einige 
Zeit  seine telefonleitung ab und fanden so heraus, da  er  Tne 
benutzt   um   umsonst  telefonieren  zu  knnen.  Da   hat   die 
Telefongesellschaft  geschnallt, was fr einen blden Fehler  sie 
gemacht hat und wie Blue Boxes arbeiten. Die  Telefongesellschaft 
versuchte dann Don Ballanger unter Druck zu setzen, er  versuchte 
seinerseits  einen  Journalisten  zu kontaktieren,  der  dann  im 
Esquiremagazin  71  den Artikel "Die geheimnisse  der  Blue  Box" 
verffentlichte.  Die  Phone Phreaks  ihrerseits  versuchten  Don 
Ballanger  zu  erreichen,  um ihn rauszuschmeissen  und  ihm  die 
meinung  zu sagen ber seine Anrufe mit der 555-1212  Nummer  und 
des  Ausplauderns  von Geheimnissen.  Ballanger  bekam  irgendwie 
meine  Nummer raus, weil irgend ein blder Phone Phreak  sie  ihm 
gegeben  hat. Dieser Phone Phreak hat die Abmachung, an die  sich 
alle gehalten haben gebrochen. Kein Phone Phreak gibt die  Nummer 
eines anderen ohne dessen Einverstndnis heraus.
 
Don Ballanger rief mich nun an und sagte, das mich ein Journalist 
anrufen wird. Ich sagte ihm, da er sich verpissen soll und  nicht 
mehr so einen Scheiss machen sollte. Aber dieser Journalist  rief 
mich  an.  Wir sprachen nur ber Telefon miteinander, so  ca.  15 
Minuten. All den Schwachsinn, den du ber mich hrst, ber meinen 
Volkswagenbulli   wie  ich  durch  die  Staaten  fahre  und   die 
Telefonzellen   entlang  der  Strasse  knacke  ist  erlogen   und 
existiert  nicht  wirklich. Der Journalist kam  dann  mit  seinem 
Artikel  raus,  die  Geheimisse der Blue Box.  Und  als  ich  ihn 
gelesen hatte, kaufte noch ein paar Hefte und dann noch ein paar, 
immer   mehr  und  verteilte  sie  berall.  Denn  es   war   der 
faszinierenste  Artikel,  den wir bis dahin  gelesen  hatten.  Er 
blies  den  Typen namens Captain Crunch auf.  Wirklich  gro  und 
machte ihn zum Superhelden.
 
Nachdem  der  Artikel draussen war, war  die  Telefongesellschaft 
extrem   sauer.  Sie  hatte  ihn  natrlich  auch  gelesen.   Die 
Gesellschaft  setzte sich nun mit dem FBI in Verbindung. Das  FBI 
und   alle  lokalen  Telefongesellschaften  hatten   ein   groes 
Geheimtreffen.  Sie  wollten  eine groe  Untersuchung  ber  die 
Sache. Sie hatten Treffen in Seattle, New York, San Francisco. Zu 
dieser  Zeit machten auch die Phone Phreaks total  blde  Sachen. 
Sie benutzen stundenlang die 800er Nummern der  Rekrutierungsbros 
der  Army und hnliches. Wenn du illegale Dinge mit  dem  Telefon 
machst, kann die Telefongesellschaft legal dein Telefon anzapfen. 
Bevor  sie  aber richtig anfingen, berlegten sie nochmal  -  und 
welcher Name tauchte dann auf ? Natrlich Captain Crunch, der Typ 
aus  dem Artikel. Er fhrt mit seinem Volkswagenbulli rum,  hngt 
Kabel  aus dem Auto und verbindet sie mit einem Telefon in  einer 
Zelle  und fhrt so freie Telefongesprche rund um die  Welt.  Das 
machte es dem FBI aber auch sehr schwer mich zu packen.
 
Aber sie haben mich doch gekriegt. Als ich in eine 2111-Konferenz 
ging. Alle Leute in der Konferenz wussten, da ich komme. Ein  Typ 
aus  Seattle  rief mich an und sagte mir,  ich  sollte  unbedingt 
sofort  an  der 2111-Konferenz teilnehmen. Der Typ  war  vom  FBI 
gezwungen  worden. Das FBI hielt ihm eine Knarre an den Kopf  und 
sagte:  Es  ist besser fr dich, ihn anzurufen und zu  sagen,  er 
soll sofort in die 2111-Konferenz. Als ich dann bei der Konferenz 
anrief,  wartete die Telefongesellschaft schon auf mich. Und  ich 
war  lange genug drin, so da sie den Anruf bis zu mir nach  Hause 
verfolgen  konnten. Eine Woche spter hatten sie mich.  Ich  fuhr 
mit  meinem  Auto meine Einfahrt hoch und  schon  strzten  sechs 
Leute  vom FBI auf mich und brachten mich in den  Knast.  Captain 
Crunch gefasst ! 
 
Ich  bekam eine Bewhrungsstrafe und Tausend Dollar Strafe.  Vier 
Jahre  spter,  ein Jahr bevor meine Bewhrung  ablief,  war  ich 
vllig  raus aus dem Phone Phreaking. Ich beklam eine  Anruf  von 
einem Typen aus L.A.. Er wollte mich besuchen. Ich sagte:  Kannst 
mich   ruhig  besuchen  kommen,  aber  ich  mache  keine   freien 
Telefonate  fr dich. Er sagte, kein Problem und kam  vorbei.  Er 
sagte:  Meine Blue BOX ist kaputt, kannst du sie heile  machen  ? 
Ich  sagte, ich will das wirklich nicht machen, aber er war  sehr 
hartnckig und so sagte ich: ok, ich mache es fr dich, aber  wir 
knnen keine Freigesprche von hier fhren. Er sagte, ok, lass uns 
zu einer Telefonzelle gehen und sie ausprobieren. Und so rief  er 
eine Nummer mit Hilfe der Blue Box an. Die Telefonzelle wurde vom 
FBI  abgehrt. Das FBI hatte ihn gekauft, damit er mich  besucht. 
Das FBI hatte Gerchte gehrt, da ich es weiter mache, aber  das 
stimmte  nicht.  Ich  wurde nur noch  angerufen  und  redete  mit 
anderen  Leuten ber Phone Phreaking. Ich dachte nicht,  da  das 
ein Problem ist, ich machte ja keine illegalen Telefonanrufe, die 
machten ja die Leute, die mich anriefen.
 
So, das passierte also. Das FBI hrte die Telefonleitung ab,  der 
Typ  aus  L.A. gab mir den Hrer in die Hand und sagte:  Red  mal 
kurz  mit meinem Freund und das FBI hrte meine Stimme.  Das  war 
genug fr sie und sie hatten mich das zweite Mal. 
 
 
                      Das Ende der Bewegung
 
DIe  Telefongesellschaft  schlug also zurck. Zwischen  1965  und 
1970  wurden  30  Millionen Telefongesprche  berprft,  davon  2 
Millionen  ganz oder teilweise aufgezeichnet. In mehr als  25.000 
Fllen konnte ein Missbrauch nachgewiesen werden. 1977 landete die 
Telefongesellschaft    einen    technischen    K.O.-sieg.     Ein 
elektronisches   Sprgert  fr  Blue  Boxes   wurde   landesweit 
eingesetzt.  Mit der neuen Technik rumte die  Telefongesellschaft 
unter  den Phone Phreaks auf. Laut AT&T gab es allein  1977  1093 
Verhaftungen und 879 Strafurteile - meistens wegen Verwendung von 
Blue  Boxes.  Straflos  ausgegangen war  aber  zum  beispiel  Joe 
Engracia, ein blinder Junge, der die erforderlichen Frequenzen so 
perfekt pfiff, da er sich ohne jede technische Hilfe Verbindungen 
schalten konnte. Die Bell Company gab ihm einen JOb, nachdem  sie 
ihn  beim  Hacken  erwischt hatten. Danach ebbte  die  Welle  des 
Phreaking ab.
 
"Der  Aufstand des Einzelnen wird dadurch nicht beendet. Er  wird 
sich  nur auf eine hhere technische Ebene verlagern.  Was  immer 
der  Mensch  schtzen kann, kann ein  anderer  durchbrechen.  Die 
letzte    Lsung   liegt   woanders."   meint   jedenfalls    der 
Computersicherheitsexperte Donn B. Parker.
 
 
                 Draper baut Interface fr Apple
 
Apple wollte von mir ein Telefonboard, ein telefoninterfaceboard, 
um  ein telefon an den Apple anzuschliessen.  Ein  Telefonserver, 
ein  Modem,  einfach  alles, was du  mit  deinem  Telefon  machen 
kannst.  Du  knntest Tne aufnehmen und  nachmachen,  jeden  Ton 
aufnehmen und widergeben, es war sehr hilfreich. Eines Tages  war 
Steve  Wozniak wirklich stinkig auf Jobs. Ich bin grad zum  Essen 
gegangen, Woz nahm mein Telefonboard und Programmierte es so,  da 
es Steve Jobs Privatnummer immer wieder whlte. Immer wenn er das 
Telefon  abhob und sagte:Hallo und es wieder auflegte,  klingelte 
es  schon wieder, die ganze zeit. Die waren wirklich sauer.  Jobs 
ist  vllig  ausgeflippt. Das war einfach zu cool und  ich  bekam 
einen scharfen Rffel vom Managment.
 
Zu Drapers Arbeit bei Apple und seinen Programmierknsten  merkte 
eion  Kollege  von ihm folgendes an: Der Witz  ist,  wenn  Draper 
Matheroutinen fr die Addition schreiben wrde, und er bekme die 
Antwort 2 und 2 gleich fnf, so wrde er nicht den fehler suchen, 
sondern  einen Programmteil einfgen, der ungefhr heissen  wrde: 
wenn 2 und 2 gleich 5 , dann ist die Antwort 4. Das ist der Wweg, 
wie er Programme schreibt.
 
Crunch  verlies  die  Firma, sa zuhause herum  und  spielte  mit 
seinem  Interface. Er schrieb ein Programm, mit dem der  Computer 
selber  whlen  konnte. Es schaffte 150 Anrufe in  der  Stunde  - 
natrlich gebhrenfrei. Meldete sich am anderen Ende der  Leitung 
der  Piepston  eines Computers, druckte das Programm  die  Nummer 
aus.  Auf  diese Art testete er alle Nummern im Umkreis  von  Los 
Angeles.  Eine Woche und zwanzigtausend Anrufe spter  stand  das 
FBI  vor der Tr -und Captain Crunch wanderte  fr  fortgesetzten 
Telefonbetrug wieder in den Knast.
 
Das  war  der  Beginn  einer  neuen  ra  -  die  Verbindung  von 
Telefonhacken  und  PC. Hier sagt der  Captain  allerdings  etwas 
anderes als seine Chronisten. Lassen wir ihn also zu Wort kommen.
 
Captain:  Ich machte eine groe Einzugsfete und  alle  Ostksten-
Phonephreaks kamen, mich zu besuchen. Einer der Phone Phreaks war 
total  bescheuert. Er benutzte eine Blue Box auf meinem  Telefon, 
da natrlich abgehrt wurde. Und da kam ich dann in den Knast von 
Pennsylavania.  Sabotage - per Telefon Computer und  Telefonmodem 
sind  ein  nettes Team, mit dem unter Umstnden  auch  politischer 
Druck ausgebt werden kann.
 
In  den  USA gibt es den 800er Service. 800 ist die  Vorwahl  von 
Telefonnummern,  die aus den ganzen USA umsonst angerufen  werden 
knnen, die Gebhr zahlt der Empfnger des Anrufs. Dieser  Service 
wird  vor allem von Konzernen fr Kundentelefone,  Bestellannahme 
oder  hnliches  genutzt, aber auch fr  alle  mglichen  anderen 
Dinge.  Programmiert man nun einen Computer darauf,  eine  solche 
Nummer   immer   und  immer  wieder  anzurufen,  kann   das   die 
Telefonrechnung des Konzern recht unangenehm erhhen, handelt  es 
sich  doch in der Regel um Ferngesprche. Diese Methode  soll  mit 
einigem  Erfolg  gegen  Firmen eingesetzt worden  sein,  die  das 
sdafrikanische  Rassistenregime  untersttzten.  Draper  hat  ja 
bereits  von Anrufen auf Nummern des  US-Army  Rekrutierungsbros 
whrend  des  Vietnamkrieges verwiesen. In der  BRD  knnte  diese 
Methode   nicht  uneingeschrnkt  angewandt  werden,   denn   der 
entsprechende  Gebhr bezahlt Empfngerservice der  Bundespost  - 
die Vorwahl 0130 - berechnet ein Ortsgesprch pro Anruf. 
 
Wo geht man hin, um Informationen ber die Telefongesellschaft zu 
bekommen?  Zur  Telefongesellschaft selbst. Phone  Phreaks  gehen 
allerdings nicht in den Telefonladen, sondern ganz woanders  hin: 
Zu den Mlltonnen der Fernmeldemter.
 
Phreak:  Achtzig  Prozent von dem, was ich raushole,  ist  banal, 
langweilig  und vollkommen unbrauchbar. Aber die anderen  Zwanzig 
Prozent lohnen sich! Die Mlltonnen sind Goldgruben fr Infos.
 
Ich  gehe  kein Risiko ein. Nur kleine mter,  nicht  die  groen 
Geschftspalste.  Wenn  ich  losziehe, hab  ich  ein  spezielles 
Outfit:  Zerissene  alte  Hosen,  ne  schmierige  Jacke,  uralte, 
ausgelatschte Schuhe. Ich bin unrasiert und stinke. Ich setz  mir 
ne gammlige Kappe auf, und nehm ne Plastiktte mit  irgendwelchem 
Muell  mit. Wenn sie mich erwischen, bin ich halt ein Penner  auf 
der  Suche nach Essen - und kein Phone Phreak auf der Suche  nach 
Information.  Zweimal  haben sie mich schon erwischt,  und  beide 
Male haben sie mich blo weggejagt. Ich bin vorsichtig, denn  ich 
hab  nen Job an der Uni, und den will ich nicht  verlieren.  Also 
passt  auf,  wenn ihr loszieht! Die Information  kann  Gold  wert 
sein, also viel Glck !
 
Phone  Phreaking findet nicht immer an einem Telefon  statt.  Das 
Telefonnetz  besteht  aus  Kabeln, und die  liegen  berall  rum. 
Besonders   dreiste   Phreaks  schrecken  nicht   davor   zurck, 
Verteilerksten  zu  ffenen  oder  auf  der  Strasse  mal  einen 
Kanaldeckel hochzuheben. Die dann naheliegende Idee, einfach  ein 
Kabelpaar   zu  nehmen  und   ein  mitgebrachtes  Telefon   daran 
anzuschlieen,   findet  allerdings  nicht  die   Zustimmung   der 
Telefonhacker - schlielich telefoniert man dann auf Kosten  einer 
Privatperson.  Ausserdem soll es unhflich sein, nachts  um  vier 
seine Freunde aus dem Bett zu schmeissen.
 
Im  Sdwesten  Englands,  in Bath,  waren  einige  Phone  Phreaks 
menschenfreundlicher:   Sie  installierten   eine   gebhrenfreie 
Leitung.  Die Schaltung wurde mit einer bestimmten  Telefonnummer 
angewhlt  und aktiviert. Sie ermglichte gebrenfreie Anrufe  in 
die  ganze  Welt - und wurde intensiv  genutzt.  Mehrere  Tausend 
Studenten  wussten  von der Nummer, als die  geheime  Verdrahtung 
entdeckt wurde.
 
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