                                        Stefan Schreiber
                                        Kesselweg 14
                                        8650 Kulmbach



                            Speeder+
( Verdopplung der Schreib- und Lesegeschwindigkeit des Atari ST )

Mehr als  drei  Jahre  sind  nun  seit  Erscheinen  der  Speeder-
Urversion  vergangen,  die immer noch sehr weit  verbreitet  ist. 
     Zwei  in der Zwischenzeit erschienene Updates  sind   leider 
nicht ganz so weit in Umlauf gekommen,  sie hatten aber auch  mit 
den beiden neuesten TOS-Versionen noch Schwierigkeiten.
Ich  hoffe,  daž  diese berf„llige  und  hoffentlich  endgltige 
Version meine und Ihre Erwartungen erfllen wird! 

Es existieren derzeit vier offizielle TOS-Versionen fr den Atari 
ST,  n„mlich TOS 1.0 ( das "alte" TOS vom 6.2.86 ), TOS 1.2 ( das 
"Blitter-TOS"  ),  TOS 1.4 ( "Rainbow-TOS" ) und schliežlich  TOS 
1.6  ( STE-TOS ).  Verkompliziert wird alles  noch  dadurch,  daž 
einige  TOS-Versionen,  aber nicht alle,  auch  als  TOS.IMG-File 
vorliegen und damit z.B. von Festplatte gebootet werden k”nnen.
     Diese  Speeder-Version  sollte  nun endlich  mit  jedem  TOS 
funktionieren, auch wenn sich dieses im RAM befinden sollte.

Hier  eine kurze Entwicklungsgeschichte des Speeders  (  ok,  das 
interessiert zwar nur mich,  aber diese Anleitung soll halt alles 
enthalten, auch was Sie garantiert nicht brauchen k”nnen! ):

     Bekanntlich  lief die alte Speeder-Version 1.4 nur  auf  TOS 
V1.0, nicht jedoch auf neueren Betriebssystemsversionen.

Eine  Zwischenversion  (  2.0  ),  die  sich  allerdings  niemals 
allzuweit  verbreitet hat,  lief zwar mit  Blitter-TOS,  aufgrund 
eines minimalen, aber dennoch schwer zu entdeckenden Programmier-
fehlers wurde aber bei TOS 1.4 und 1.6 kein Beschleunigungseffekt 
erreicht.  Diese  Version  landete aber  immerhin   mit  leichten 
Modifizierungen auf Claus Brods "Kleisterscheibe".
 
Update Nr. 3.0 behob diesen Fehler zwar, funktionierte allerdings 
ab  TOS  V1.2  nicht,  wenn es beim Booten  aus  dem  AUTO-Ordner 
heraus gestartet wurde. Und warum nicht?
Weil bei neueren TOS-Versionen die Systemvariable  $4f2 (sysbase)  
noch  nicht  initialisiert  ist,  wenn  Programme  im  AUTO-Orner 
aufgerufen  werden,  praktisch alle anderen Systemvariablen  aber 
bereits verwendet werden drfen.
Bei  TOS 1.0 trat jedenfalls diese Inkonsequenz noch  nicht  auf. 
Is' ja auch logisch, oder?!
     Tja,  und  da muž ich auch einige  ST-Anwender  kritisieren, 
die  mich immer  ganz  entrstet anriefen und  Ihre  Meinung  zum 
Ausdruck  brachten,  was  fr ein Schrott der Speeder+ doch  sei. 
Diese Leute erz„hlten mir,  daž der Speeder+ nicht funktionierte, 
und  ich  hatte ihn natrlich auf allen  TOS-Versionen  getestet, 
allerdings nur per Doppelklick vom Desktop aus.  Und da lief eben 
alles.
      Auf jeden Fall hat mir nie jemand genau sagen  k”nnen,  was 
eigentlich  nicht  klappte,  und mit ein bižchen  Mhe  h„tte  es 
m”glich sein mssen,  festzustellen, daž besagtes Problem nur mit 
AUTO-Ordner auftrat. Na gut, also Schwamm drber!
 
Diese  Speeder+-Version  darf frei kopiert  werden,  sollte  aber 
niemals ohne diese Anleitung weitergegeben werden!
Weichen  Sie nach M”glichkeit nur in  begrndeten  Ausnahmef„llen 
von dieser Bitte ab. Z.B. h„tte ich nichts dagegen, wenn Speeder+ 
als Schnellader bei Spieledisketten eingesetzt wrde.  In solchen 
F„llen  wird  natrlich kein Platz fr  die  Anleitung  vorhanden 
sein.
 
Sie sollten folgende Files auf dieser PD-Diskette vorfinden:
1. Speeder4.prg : Speeder+-Programm 
2. Speeder4.q   : Quelltext des Programms
3. Speeder4.doc : wenn  dieses File  nicht  vorhanden ist, k”nnen 
   Sie  diesen  Text  nicht lesen / geniežen /  in  den  Desktop-
   Papierkorb werfen.
4. Speeder4.s: das gleiche im ASCII-Format ( ohne Schriftarten ) 




II. Theoretische Grundlagen von Fastload-Utilities

     Mažgebend fr die Geschwindigkeit eines Computers ist  nicht 
nur  seine   Prozessorleistung,   sondern  vor  allem  auch   die 
Leistungsf„higkeit  seiner  Peripherie  wie   Diskettenlaufwerke, 
Festplatte und Drucker.  Bezglich der Diskettenlaufwerke hat der 
ATARI ST beim Arbeiten mit l„ngeren Files eine  durchschnittliche 
Lesegeschwindigkeit von 8 KByte/sec., bzw.  ungef„hr 4 KByte/sec. 
beim Schreiben.
Diese Werte k”nnen durch das Ausschalten eines Verifys verdoppelt 
werden.  Noch   dazu   hat  diese   Mažnahme   praktisch   keinen 
gravierenden  Nachteil zur Folge,  jedenfalls hat mich noch  kein 
Skeptiker vom Gegenteil berzeugen k”nnen.
     Dieser  Text ist noch immer eine der  wenigen  detaillierten 
und korrekten Beschreibungen dafr, was passiert, wenn das Track-
Verify  beim Spurwechsel ausgeschaltet wird ( das  Prinzip  aller 
Fastload-Utilities ).
Eine Warnung im voraus:  Es handelt sich hierbei um keine leichte 
Materie.  Ich habe mich jedoch bemht,  diese Anleitung m”glichst 
leichtverst„ndlich zu verfassen.  Wenn Sie schon im voraus  gen-
gend  Vertrauen zu meinem Programm haben  sollten,  brauchen  Sie 
sich mit programmtechnischen Details natrlich nicht zu belasten.       
     
     Was bewirkt das Programm "Speeder4.prg" nun konkret und  ist 
bei der Sache nicht doch ein Haken? Um evtl. Žngste der Skeptiker 
und Sicherheitsfanatiker zu zerstreuen,  m”chte ich einen  kurzen 
Ausflug  in die Theorie des Floppy Disc Controllers ( FDC  )  des 
Atari ST unternehmen.
Der FDC bietet unterschiedliche Vorkehrungen, die Datensicherheit 
zu erh”hen. Es existieren haupts„chlich drei Arten eines Verifys:

1. Lesen eines Sektors:  Der  FDC arbeitet bereits  hardwarem„žig 
   mit Prfsummen.  Wenn ein Sektor auf die Diskette  geschrieben 
   wird, fgt der FDC automatisch eine 16-Bit Prfsumme an. Diese 
   Prfsumme wird auch als "Cyclic Redudancy Check" oder kurz CRC 
   bezeichnet.  Beim Lesen berechnet der FDC aus den eingelesenen 
   Daten  die CRC-Prfsumme erneut und vergleicht diese  mit  der 
   auf der Diskette bereits abgespeicherten. Bei einem Lesefehler 
   tritt zwischen diesen beiden Werten mit an Sicherheit grenzen-
   der Wahrscheinlichkeit eine Diskrepanz auf.
   
2. Schreiben eines Sektors:  Hier ist das Verifizieren nicht ganz
   so  einfach.   Der  FDC  kann  jedenfalls  nicht   unmittelbar 
   herausfinden, ob die Daten auf der Diskette richtig angekommen 
   sind.  Die Verify-Routine des TOS verwendet hier einen kleinen 
   Trick:
   Alle geschriebenen Sektoren werden nach dem Schreiben in einen 
   eigenen   1024  Byte-Puffer  eingelesen  (  512  Bytes   w„ren 
   mindestens  erforderlich  ).  Wenn beim Schreiben  ein  Fehler 
   aufgetreten  ist,  kann dies ber die  CRC-Logik  festgestellt 
   werden,  da  logischerweise nun auch ein CRC-Fehler  auftreten 
   muž.  Es ist so immerhin nicht notwendig,  daž alle  geschrie-
   benen  Daten  mit den im Speicher vorhandenen  Byte  fr  Byte 
   verglichen werden mssen.
   Durch  diese Methode halbiert sich im allgemeinen die Schreib-
   gegenber  der  Lesegeschwindigkeit,   da  jeder  geschriebene 
   Sektor noch einmal zum Verifizieren gelesen werden muž. Dieses 
   Verify  kann  ber das  Betriebssystem  ausgeschaltet  werden, 
   indem  die  Systemvariable  $444 auf  einen  Wert  ungleich  0 
   gesetzt  wird.  Dies ist aber aus Grnden der  Datensicherheit 
   wirklich riskant. 
 
3. Track-Verify nach Positionierung des Schreib/Lesekopfes: 
   Nach  einer Positionierung des Schreib/Lesekopfes durch  einen 
   SEEK-,  RESTORE oder STEP-Befehl des FDC besteht die  M”glich-
   keit,  zu berprfen,  ob der logische Track mit dem physikal. 
   Track  auf  der  Diskette  bereinstimmt.   Es  kann   n„mlich 
   vorkommen,  daž  der Schrittmotor des  Diskettenlaufwerks  den 
   Befehlsimpulsen zur Positionierung nicht folgen kann und  sich 
   dann auf einem falschen Track befindet. Zum Verifizieren liest 
   der FDC das ID-Feld des n„chsten Sektors, in dem Seite, Track, 
   Sektornummer und Gr”že als Informationen ber den betreffenden 
   Sektor abgelegt sind.
   Die BIOS-Routine 4 ( "rwabs" ),  ber die fast alle Disketten-
   zugriffe  laufen,  macht von diesem Verify beim  Positionieren 
   Gebrauch.  Die entsprechende Stelle liegt bei jeder  Betriebs-
   systemversion  natrlich  woanders.  Bei der  TOS-Version  1.0 
   liegt sie z.B. an der Addresse $FC1B8A:
   $FC1B8A:    moveq.l   #$14,d6   ; SEEK mit Verify
   $FC1B90:    bsr       $FC1BB6   ; an FDC schicken

   Im "Atari ST INTERN" von Data Becker wird die Routine,  in der 
   diese Sequenz enthalten ist, als "go2track" bezeichnet, aller-
   dings ist dieser Name nicht "offiziell".  Sie dient dazu,  wie 
   bereits der Name sagt, einen bestimmten Track anzusteuern.
   
   Speeder+ schaltet dieses Verify aus, indem der FDC-Befehl  $14 
   durch  $10  ( SEEK ohne Verify ) ersetzt wird.  Dies  hat  bei 
   l„ngeren Files eine Verdopplung der Schreib- und Lesegeschwin-
   digkeit zur Folge.  Der Grund liegt in nutzloser Wartezeit des 
   FDC:
   Nehmen  wir  einmal an,  daž 50KByte oder  100  Sektoren,  die 
   hintereinanderliegen,  gelesen werden sollen.  Nach 9 Sektoren 
   (  bzw.  10  Sektoren  bei  einer  FATDISK,  11  Sektoren  bei 
   'hyperformatierten'  Disketten ) muž der Schreib/Lesekopf  auf 
   den  n„chsten Track positioniert werden.  Bei  eingeschaltetem 
   Verify holt der FDC die physik.  Tracknummer aus dem  n„chsten 
   ID-Feld,  das zu Sektor 1 des n„chsten Tracks geh”rt. Sektor 1 
   ist  aber  gleichzeitig derjenige  Sektor,  der  als  n„chster 
   gelesen  werden  muž.  Da  dessen ID-Feld soeben  am  Lesekopf 
   vorbeigerauscht  ist,  muž  eine  ganze  Umdrehung  abgewartet 
   werden,  bis er das n„chste Mal gefunden wird.  Fr das  Lesen 
   eines  Tracks werden also statt einer Umdrehung  jeweils  zwei 
   ben”tigt. Die m”gliche šbertragungsrate wird dadurch halbiert!

Welche Nebenwirkungen treten bei der Ausschaltung  dieses Verifys 
auf?  šberhaupt keine!  Ein Track-Verify findet n„mlich auch  bei 
jedem  Schreib/Lesevorgang auf Diskette statt.  Der FDC prft bei 
einem READ-SECTOR-Befehl ( bzw. WRITE-SECTOR ), ob die vorhandene 
Tracknummer  im  ID-Feld  mit der gewnschten  Nummer  im  Track-
Register des FDC bereinstimmt.  Ein Fehler wird ber ein Status-
bit  erkannt ( "Record not found" ) und auch  vom  Betriebssystem 
registriert.  Wenn wirklich einmal ein falscher Track angesteuert 
ist,  sucht das Betriebssystem die betreffende Spur noch einmal ( 
ein "RESEEK"-Vorgang ). Technisch gelingt dies ber ein RESTORE ( 
Positionierung  des Lesekopfes auf Track 0 ) und einem  anschlie-
ženden  SEEK-Befehl an den FDC.  Damit wird die  gewnschte  Spur 
auch bei einem Positionierungsfehler mit an Sicherheit grenzender 
Wahrscheinlichkeit gefunden.

Keine Geschwindigkeitsvorteile bieten Fastload-Utilities brigens 
bei "Schnelladedisketten", die auf folgende Art formatiert worden 
sind:  
Track 0 beginnt mit Sektor 1 ( wie immer ).  Bei jedem  folgenden 
Track rutscht der logische Sektor 1 um eine Position nach hinten, 
d.h.  Track  1 beginnt mit Sektor 9 ( bzw.  Sektor 10  bei  einer 
Fatdisk! ) und erst anschliežend folgt Sektor 1.
Auf Track 2 steht Sektor 1 schliežlich erst an  3. Position, usw. 
Durch  diese Methode wird auch bei  eingeschaltetem  Track-Verify 
fast  eine  Verdopplung  der  Schreib-  und   Lesegeschwindigkeit 
erzielt,   leider   bieten  aber  nach  wie  vor  die   wenigsten 
Formatierprogramme eine Option an,  nach der Disketten mit dieser 
Methode formatiert werden k”nnen. 



III. M”gliche Probleme mit Fastload-Utilities

Mit  dem  Laufwerkstyp NEC-1037 traten in  Einzelf„llen  Probleme 
beim Lesen von Daten auf.  Ab und zu werden korrekt  geschriebene 
Sektoren als defekt deklariert. Bei weiteren Leseversuchen werden 
sie dennoch richtig eingelesen.
Ich vermute, daž es sich hierbei um ein rein mechanisches Problem 
dieses  ansonsten sehr guten Laufwerks handelt.  Bei  ausgeschal-
tetem  Track-Verify  wird nach einem Spurwechsel der  zu  lesende 
Sektor  in der Regel viel schneller erreicht als mit Verify (  wo 
meistens  bis  zum  Lesen der Daten  ein  ganzer  Diskettenumlauf 
gewartet  werden  muž!  ).  Wenn der  Schreib/Lesekopf  nach  dem 
Spurwechsel  noch etwas schwingt,  werden die Daten  evtl.  nicht 
korrekt  eingelesen,  obwohl sie natrlich richtig  aufgezeichnet 
worden  sind.  Sofern  meine Theorie stimmt,  k”nnten  durch  die 
leichte  und flache Bauweise des NEC-1037 Laufwerks  solche  Pro-
bleme unter Umst„nden auftreten.  Allerdings muž ich zugeben, daž 
diese  Erkl„rung eine reine Hypothese darstellt,  die  nicht  un-
bedingt zutrifft.
Falls bei Ihnen dieses Problem auftauchen sollte,  empfehle  ich, 
eine  Systemvariable im Betriebssystem zu ver„ndern.  Es  handelt 
sich  um die Variable in $440 (  seekrate,  Word-Format  ).  Wenn 
diese  Variable auf '0' statt auf '3' gesetzt wird,  erh”ht  sich 
die Wartezeit,  die der FDC nach einem Step-Impuls einlegt, von 3 
auf 6 ms.  Auf die Addresse $440 kann brigens nur im Supervisor-
Modus des 68000ers zugegriffen werden.
Ich m”chte noch einmal ausdrcklich darauf hinweisen,  daž dieser 
bisher  nur  im  Zusammenhang mit Laufwerken des  Typs  NEC  1037 
aufgetretene  "Fehler"  im Grunde nichts  mit  mangelnder  Daten-
sicherheit  des Speeder+ oder anderer Fastload-Programme  zu  tun 
hat.  Die Daten werden zumindest immer korrekt aufgezeichnet,  im 
schlimmsten  Falle k„me man an sie nach einem  neuen  Bootvorgang 
ohne  Fastload-Programm  heran,  normalerweise aber  bereits  bei 
einem weiteren Leseversuch. 
Natrlich  tritt das eben erw„hnte Problem nicht auf  allen  NEC-
1037  Laufwerken auf,  und selbst auf betroffenen Laufwerken  nur 
h”chst sporadisch.
       Mit anderen Laufwerkstypen hat es bisher keine  Schwierig-
keiten gegeben, auch nicht mit 5.25"-Laufwerken.

Eine weiteres h„ufiges Problem wird Fastload-Programmen v”llig zu 
unrecht zugeschrieben:
Disketten  k”nnen zwar mit dem eigenen Laufwerk  korrekt  gelesen 
werden, nicht jedoch auf einem anderen. Derartige Schwierigkeiten 
k”nnen  nie  durch  den Speeder+  verursacht  worden  sein. 
Ursache fr solche Probleme sind vielmehr  z.B.  unterschiedliche 
Drehzahlen  der  Laufwerke ( 300 UpM ist  die  Solldrehzahl,  die 
tats„chliche  Drehzahl eines Laufwerks kann aber durchaus bis  zu 
2%  von  diesem Wert abweichen!  ),  oder  auch  ein  verstaubter 
Schreib/Lesekopf  bei einem der beiden "inkompatiblen"  Laufwerke 
etc.  Derartige Fehler h„ngen natrlich nicht mit dem Ausschalten 
eines  Verifys zusammen,  da physikalische Intoleranzen  zwischen 
Laufwerken  nichts  damit zu tun haben,  ob Daten mit  oder  ohne 
Track-Verify aufgezeichnet worden sind.


Die  Erfahrungen in Zusammenhang mit Fastload-Programmen  zeigen, 
daž  beim weitaus gr”žten Teil der ST-Anwender, die entsprechende
Utilities verwenden,  niemals irgendwie geartete Probleme  aufge-
treten sind.
Und schliežlich verwende ich selbst seit Jahren TOS-Versionen  im 
EPROM,   in  denen  ich  das  Track-Verify  ausgeschaltet   habe. 
Natrlich  fhle ich mich trotz eines Verifys weniger  in  meinem 
Rechner  keineswegs bedroht ( eher schon von  der  Fileverwaltung 
des GEMDOS! ).
     Auch  wenn  in  (  seltenen  )  Einzelf„llen  Probleme   mit  
Fastload-Utilities   beim  Lesen  auftreten   k”nnen,   ist   der 
wichtigsten   Forderung  bezglich  der   Datensicherheit   immer 
Rechnung getragen:
Fehlerhaftes  Aufzeichnen oder šberschreiben von  Daten  aufgrund 
ausgeschaltetem Track-Verify ist unm”glich.
Sie  sollten  sich  also  nicht  davon  abhalten  lassen,   Ihren 
Diskettenlaufwerken auf die Sprnge zu helfen!



III. Algorithmus von "Speeder4.prg"
 
Nach diesen theoretischen Vorbemerkungen k”nnen wir endlich   den 
'Speeder+'  unter die Lupe nehmen.    
Fast alle Zugriffe auf die Diskettenlaufwerke laufen,  wie weiter 
oben schon gesagt,  ber die Funktion 4 des BIOS,  in der nur ein 
einziges  Byte  ge„ndert werden muž.  Im ROM  ist  es  allerdings 
unm”glich, diese Stelle zu manipulieren ( was natrlich „rgerlich
ist ). 
Zum  Glck  wird diese Routine ber einen Vektor  angesprungen  ( 
Systemvariable  $476  ),  der auf eine eigene  Routine  umgebogen 
werden kann.  Von dieser Tatsache machen  z.B. auch  Ramdisks und 
Festplatten-Treiber Gebrauch.

Das  Prinzip jedes Fastload-Programms besteht darin,  daž es  als 
residentes  Programm  installiert wird.  Wenn  es  nicht  bereits 
selbst von der alten rwabs-Routine abgeleitet ist, wie mein alter 
"Speeder", muž es diese aus dem Betriebssystem kopieren.

Leider ist die originale rwabs-Routine eine der l„ngsten Routinen 
im Betriebssystem,  zu ihr geh”ren beispielsweise  Unterprogramme 
zur DMA-Kontrolle,    Fehlerbehandlung etc.    Zudem stehen diese 
Subroutinen nicht ordentlich hintereinander,  sondern sind  recht  
verstreut.
Beim  Kopieren  der  originalen rwabs-Routine  ins  RAM  bestehen 
deutliche Unterschiede zwischen 'Fastload' und meinem Speeder+. 
Fastload-Versionen kopieren ab Beginn des Betriebssystems 8 KByte 
Daten  aus dem ROM in einen programminternen Puffer,  das  reicht 
bei  allen  bisherigen TOS-Versionen aus,  um  die  rwabs-Routine 
komplett ins RAM abzubilden.  Anschliežend werden von  "Fastload" 
noch einige Sprungaddressen reloziert,  wobei je nach TOS-Version 
auf eine eigene Tabelle zugegriffen wird. 
Speeder+ verh„lt sich wesentlich intelligenter. Zun„chst wird mit 
Hilfe von Suchstrings  nach dem  im  Speicher am  weitesten vorne
stehenden  Unterprogramm gesucht, das noch von der  rwabs-Routine
aufgerufen wird. Bei allen bisherigen TOS-Versionen war dies bis-
her entweder die  BIOS-Mediach-Routine  oder die  XBIOS-Flopread-
Funktion.
Speeder+  vergleicht  die  Startaddressen beider Routinen und ko-
piert ab der niedrigeren Addresse 4 KByte aus  dem Rom  ins  RAM,
damit   wird im   Vergleich   zu "Fastload"  ca.  4 KByte weniger 
Speicher belegt.   
Die Relozierroutine kommt ebenfalls ohne Tabellen aus.  Es mssen 
lediglich   die  Sprungaddressen  einiger  jsr-Aufrufe   angepažt 
werden.  Jsr-Befehle  (  absolute Addressierung )  k”nnen  leicht 
aufgefunden werden, indem nach dem Wort $4EB9 gesucht wird.
Zwei Sprunaddressen,  n„mlich in den 'Critical Error Handler' und 
in  die Sektorkopierroutine 'fastcopy',  zeigen weiterhin in  den 
ROM-Bereich.  Durch  diesen Trick,  wirklich nur die Routinen  zu 
kopieren,   die  fr  die  doppelte   Schreib/Lesegeschwindigkeit 
relevant  sind,  ist  der Speeder+ fast so  kompakt  wie  m”glich 
geworden.  Lediglich der Vorl„ufer 'Speeder.prg' V1.4  reserviert 
noch weniger Speicher ( ca. 2.5 KByte ), l„uft dafr aber nur mit 
TOS 1.0.
Anschliežend wird im Ram-Puffer noch nach der Routine  'go2track' 
gesucht und der FDC-Befehl 'Seek mit Verify' ($14) in 'Seek  ohne 
Verify' ($10)  umge„ndert.
Zuletzt wird der Vektor $476 auf eine Speeder+-Routine umgebogen, 
die bei rwabs-Aufrufen erkennt, ob Laufwerk A oder B angesprochen
wird.  Falls dies nicht der Fall ist,  wird die Kontrolle an  den
entsprechenden Ramdisk-, Festplattentreiber etc. abgegeben.
 
Da  Speeder+  im Gegensatz zu 'Fastload'  keine  Reloziertabellen 
verwendet,   sondern  ausschliežlich  mit  Suchstrings  arbeitet, 
drfte es sogar auf zuknftigen TOS-Versionen funktionieren, wenn 
fr den ST das TOS berhaupt noch weiterentwickelt werden sollte.

Die Funktionsf„higkeit des Speeder+ ist zwar ( bisher ) auf allen 
TOS-Versionen des Atari ST gew„hrleistet.  Wahrscheinlich wird er 
jedoch   nicht   auf   dem   bereits   lieferbaren   'Atari   TT' 
funktionieren.  Ich weiž ehrlich gesagt noch nicht einmal, ob das 
TT-Tos ein Track-Verify vorsieht oder nicht.
 
Eine Anpassung des Speeder+ an den 'Atari  TT' wrde ich auch auf
keinen Fall als meine Aufgabe betrachten.  Aber schliežlich  gebe 
ich dafr ja auch den Quelltext meines Programms mit  heraus,  so 
daž  bei  Bedarf jemand ohne zu grožen  Aufwand  diese  Anpassung 
erledigen k”nnte. 



     Kulmbach, den 18.10. 90
          Stefan Schreiber 


P.S.: 
"Speeder+"  ist ein „užerst ntzliches Utility und  steigert  die 
Leistungsf„higkeit  Ihres Computersystems evtl.  ganz  erheblich. 
Falls Sie dieses Programm h„ufig benutzen,  wrde ich es fr fair 
halten,   wenn  Sie  mir  als  Anerkennung  dafr  einen   Betrag 
zuschicken, den Sie fr angemessen halten.
In diesem Falle vielen Dank bereits im voraus!

