Hier mal ein paar seiten aus einem Buch, in dem auch mal Commodore erwhnt
wird. Das Buch ist lesenswert, es berichtet ber alles, was dazugehrt,
die Erfindung des Mikroprozessors, SUN, IBM, Altair, ....


Die Silicon Valley Story
Bob McSummit / Joe Martin
Systhema Verlag GmbH, 1989
ISBN 3-89390-336-4

Von Commodore ...

Die  Geschichte  Commodores  hatte,  darber  mu  man	sich im klaren sein,
einen	enormen   Einflu  auf	 die  Mikrocomputerszene,  auch  wenn  diese
Geschichte  nicht  unmittelbar im Silicon Vally geschrieben wurde.  Aber die
Silicon Valley Story lebt durch  die Menschen, die sie geprgt haben.  Steve
Jobs und Steve Wozniak, Chuck Peddle, Bill Hewlett und Dave Packard sind nur
einige	aus  der  schier  endlosen  Reihe  derjenigen, die mehr oder weniger
Groes fr die Entwicklung der Computerindustrie geleistet haben.
 Auch  der  Grnder,  die  treibende Kraft,  die hinter Commodore steht, ein
Mann  namens Jack Tramiel, hatte  einen bedeutenden Einflu auf den Gang der
Computergeschichte.   Dies  vielleicht	nicht zuletzt auch deswegen, weil er
schlielich  auch  wieder  im Silicon  Valley gelandet ist.  Heute leitet er
die  Firma  Atari und schreibt dort ebenfalls neuerlich ein weiteres Kapitel
Computergeschichte.  Eigentlich hat er die Leitung in der Zwischenzeit, seit
1989,  an  seinen  Sohn  Sam  Tramiel abgegeben, aber er gilt noch immer als
graue  Eminenz	und  beeinflut strategische  Entscheidungen  noch in groem
Umfang.
 Jack  Tramiel ist als	hartgesottener Geschftsmann bekannt, und mit seinem
auf  den  Verkauf  groer  Stckzahlen	ausgerichteten	Konzept  brachte  er
sowohl	Commodore  als	auch  spter  Atari  auf  einen schier unglaublichen
Erfolgskurs.   Nachdem er  Atari  bernommen hatte, uerte  ein Mitarbeiter
von  Atari  einmal:   'Es ist mir ein besonderes  Vergngen, bei einer Firma
beziehungsweise  mit  einem  Chef  zu arbeiten, der erneut innerhalb weniger
Jahre die Milliardengrenze berschreitet.'
 Er  spielte   damit   darauf  an,  da  Commodore  unter  Tramiel ber eine
Milliarde  Dollar  umsetzte  und  jedes Jahr enorme Zuwachsraten verzeichnen
konnte.   Unter  der  Leitung Tramiels galt fr Atari dieselbe	Entwicklung.
Tramiel  hatte	nicht  nur  Entwicklungpotential  von  Commodore  abgezogen,
sondern auch gleich das halbe Managment mit zu Atari genommen.
 Tramiels  Ziel  war  es  immer,  der  Allgemeinheit die neusten technischen
Errungenschaften  verfgbar  zu  machen.   Durch Dumping-Preise zettelte er
regelrechte  Kriege  an, die unter der Bezeichnung 'Die Homecomputer-Kriege'
weltweit berhmt und berchtigt wurden.
 Jahre	spter,  nachdem  er  Commodore  bereits  verlasen hatte, uerte er
anllich  einer  Pressekonferenz  in  seiner Eigenschaft als Chef von Atari
einmal:  'Business is war!' Dies war ber  all die Jahre hinweg, in denen er
Commodore  aufbaute,  sein  Leitspruch	gewesen.  Fr ihn war  das  Geschft
immer  Krieg  -  ein Kampf gegen seine Konkurrenten.  Ein Krieg, bei dem man
stets  darauf  bedacht	sein mute, zu berleben, bei  dem  es darauf ankam,
die  Nase  vorn  zu  haben,  als  erster  auf  dem  Markt  zu  sein  und das
attraktivste Angebot zu machen.  Als er dann zu Atari wechselte, ging dieser
Krieg  unvermindert  weiter.   Aber  es  wurde nun in erster Linie ein Kampf
gegen  Commodore,  der nicht nur technologie- und marktbestimmt war, sondern
bei dem auch die persnliche Komponente eine wichtige Rolle spielte.
 Tramiels  Geschichte  ist  die  des   berhmten   Tellerwschers,  der  zum
Millionr  wird.   Er  stamt  aus Polen und  mute  vor den Nazis in die USA
fliehen.   Im Alter von 20 Jahren kam er nach dem zweiten Weltkrieg nach New
York und verdiente sein erstes Geld als Taxifahrer.  In New York liegen auch
die  Ursprnge	der  Firma  Commodore.	 Whrend seiner  Dienstzeit  bei der
US-Army  lernte Jack Tramiel alles ber Schreibmachinen.  Er  reparierte sie
und machte sich schlielich mit einem anderen  ehemaligen  Armee-Angehrigen
namens	Manny  Kapp selbststndig.  Die beiden	grndeten eine Firma mit dem
Namen  'Commodore Portable Typewriter'.  Die Legende  erzhlt,  da der Name
Commodore  von	den  beiden  gewhlt  wurde, weil sie als  Firmennamen einen
hohen  militrischen  Rang  verwenden  wollten,  die   Bezeichnung 'Admiral'
jedoch	schon  von  einer  anderen  Firma  gefhrt   wurde.   So  stand  der
Commodore,   ebenfalls	 ein   hohes  Tier   beim   Militr,  Pate  fr  die
neuzugrndende Firma.
 Der  Sitz  des  Unternehmens  lag  in	dem  berhmt-berchtigten New Yorker
Stadtteil  Bronx.   Das Geschft wurde	1956 nach Toronto verlegt, weil Jack
Tramiels  Frau	von dort stammte und Kanada einige finanzielle Vorteile bot.
Auerdem erwies sich Toronto in Kanada	als  wesentlich gnstigerer Standort
als  die  Bronx  in New York.  Das Anfangsgeschft,  das im wesentlichen auf
der  Reparatur	von Schreibmaschinen basierte, war fr	Jack Tramiel bereits
nach kurzer Zeit nicht mehr lukrativ und befriedigend genug.
 Er  nderte den Namen in 'Commodore Business Machines'  und verkaufte neben
Schreibmaschinen auch Rechenmaschinen, eine tschechische Schreibmaschine bot
er sogar im Alleinvertrieb an.
 Jack  Tramiel	hatte zwar groe Plne, aber es fehlte	am  ntigen  Kapital
fr  die  Umsetzung  seiner  Plne.   berzeugt  davon,  da der Erfolg sich
einstellen  werden, sobald nur die  erforderliche Kapitalbasis zur Verfgung
stnde,  suchte  er  den Kontakt zu einem kanadischen  Risikokapitalanleger,
der  jedoch  ber einen zweifelhaften  Ruf  verfgte - Paul Morgan.  Morgans
Firma  Atlantic Acceptance finanzierte Commodore und viele andere Firmen und
verquickte  diese  Firmen  dabei  so   innig miteinender, da die kanadische
Staatsanwaltschaft  letztendlich  einige Flle	des Kapitalbetrugs sowie der
Brsenmanipulation aufzudecken hatte.
 Nach  gerichtlichem  Nachweis	der  Manipulation   der  Bcher und weiterer
betrgerischer	 Aktivitten   wurde   die   Firma    Atlantic	  Acceptance
geschlossen.   Tramiel konnte verhindern, da seine  Firma Commodore zu tief
in diesen Finanzskandal verwickelt wurde, und es gelang ihm, sich von Morgan
so weit zu distanzieren, da er Commodore weiterfhren konnte.
 Nichtsdestotrotz  hatte Tramiel nach dem Niedergang von Atlantic Acceptance
neuerlich  mit	Finanzproblemen zu kmpfen.  Also suchte  er weiter und fand
schlielich  Irving  Gould, einen weiteren Risikokapitalanleger  aus Kanada.
Gould  erhielt	von  Tramiel  einen  Anteil,  der es ihm erlaubte, die Firma
Commodore   zu	 kontrollieren.    Er	finanzierte   Commodore   und  wurde
Vorstandsvorsitzender.
 Obwohl  Irving  Gould	diese  Position des Vorstandsvorsitzenden innehatte,
gestatte  er  Jack  Tramiel, die Firma nach eigenen Vorstellungen aufzubauen
und  zu  leiten.   1968 reiste Jakc Tramiel nach Japan und sah sich dort mit
einer  technischen  Revolution	konfrontiert,  die  er	sofort	in  die  USA
importierte  -	diese  Revolution  stand  in Zusammenhang mit elektronischen
Taschenrechnern.   Diese  Taschenrechner  gab  es  zwar  auch  in  den USA -
schlielich  stammten die meisten von dort - die Japaner waren	aber einfach
entscheidend billiger.
 Anfang  der  siebziger  Jahre	gelang	es Tramiel, als einer  der fhrenden
Anbieter  von  Taschenrechnern	auf  dem  amerikanischen Markt akzeptiert zu
werden.   Den  Firmensitz  hatte  er  zwischenzeitlich	nach Kalifornien ins
Silicon Valley verlegt.  Dort hatte er nicht nur eine Niederlassung, sondern
baute  auch  eigene  Taschenrechner  mit Chips, die er von Texas Instruments
bezog.	 Doch  gerade  der Zulieferer Texas Instruments sollte ihn innerhalb
krzester Zeit - Anfang 1975 - in enorme Schwierigkeiten bringen.
 In  diesem Jahr entschied sich Texas Instruments dafr,  angeregt durch den
Erfolg	 ihres	 Kunden  Commodore  und  den  anderen  Unternehemen,  selbst
Taschenrechner	auf den Markt zu bringen.  Dadurch wurde ein Konkurrenzkampf
entfesselt, der in einen absoluten Preiskrieg ausartete.
 Innerhalb  nur  weniger Monate war der Preis fr einen  Taschenrechner, der
bis  dato  100	Dollar	gekostet  hatte, auf weniger als 10 Dollar gefallen.
Trotz  eines  Umsatzes von 50 Millionen Dollar verlor Commodore im Jahr 1975
dadurch  rund  5  Millionen Dollar.  Fr Jack Tramiel war  dies eine bittere
Lehre,	und  er beschlo, fr die Zukunft Schritte zu  unternehmen,  die ein
hnliches Vorkommnis ausschlieen sollten.   Er  entschied  sich schlielich
-  nachdem  er den Markt beobachtet und sich  orientiert hatte - dafr, eine
Halbleiterfirma in Pennsylvania aufzukaufen.
 Diese	Firma hie MOS-Tech, und Commodore bezog, neben den  Chips von Texas
Instruments,  auch  einige von MOS-Tech.  Er glaubte, durch den Besitz einer
eigenen  Halbleiterfabrik  zuknftigen	Halbleiterengpssen  dieser Bauteile
entgehen zu knnen.  Auerdem konnte eine  Halbleiterfirmam  die zur eigenen
Unternehmensgruppe  gehrte, mit Sicherheit nicht ein Konkurrenzprodukt  auf
den  Markt bringen.  Durch den Aufkauf von MOS-Tech nderte sich  einiges in
der  Computerszene.   Commodore  und  Jack  Tramiel,  die  bisher nichts mit
Computern zu tun gehabt hatten, kamen zum ersten Mal mit einem Mikrocomputer
in Berhrung.
 MOS-Tech  hatte  den  6502-Mikroprozessor  anzubieten	und verkaufte ihn an
jeden,	der  ihn  haben  wollte.   Es  handelte  sich  hierbei um den ersten
Mikroprozessor, den man frei kaufen konnte, und er kostete auch nur circa 20
Dollar.   Dadurch  wurde er fr jedermann erschwinglich, und zu  den ersten,
die  einen  6502  erstanden,  gehrte eine Gruppe von  HP-Ingenieuren, unter
denen  sich  Steve Wozniak befand.  Wozniak ist noch  heute davon berzeugt,
da  es der 6502 war, der ihn zum Bau des Apple  I  veranlat hat.  So wurde
der 6502 auch zu einem Mikroprozessor, der in vielen Computern Einsatz fand,
unter  anderem	auch  im  Apple  II und im Commodore VC 20, einem der ersten
preisgnstigen Heimcomputer.
 Neben	dem  Halbleiterbaustein  6502  hatte  MOS-Tech	auch  noch  eine Art
Entwicklungssystem  fr  den  6502  im	Vertriebsprogramm.  Mit Hilfe dieses
6502-Bausatzes,  der  unter  der  Bezeichnung  KIM-1 verkauft wurde, konnten
Entwickler  die  ersten  'Gehversuche'  mit dem 6502 unternehmen.  Der KIM-I
hatte  eine  hexadezimale  Tastatur und eine  LED-Anzeige, ber die sich die
Ein-  und  Ausgabesignale  des	Mikroprozessors  berwachen und beeinflussen
lieen.   Der  KIM-1  war  eigentlich  bereits ein  'richtiger' Computer und
avancierte Ende 1975 zum Verkaufsschlager.
 Tramiel  erwarb  MOS-Tech  im	Oktober  1975  und   stie  bei einem seiner
Rundgnge  durch  die  Firma auf den Nachfolger des KIM-1.   Dieser Computer
war  von  Chuck  Peddle,  einem  MOS-Tech  Ingenieur,  entwickelt worden und
bediente  sich	des  von  MOS-Tech  vertriebenen  6502-Mikroprozessor-Chips.
Peddle	hatte  mehrfach  versucht,  den Entwurf dieses Personal Computers zu
verkaufen.   Nachdem  bislang niemand Interesse an diesem Gert  hatte, fand
Peddle	in  Jack  Tramiel  nun	einen  neuen Firmenbesitzer, der die von ihm
propagierte  Marschrichtung  sofort  einschlug und seinen Computer unter dem
Namen PET vermarktete.
 Schon	im  Dezember  1976  wurde  der	PET  angekndigt.  Die	Auslieferung
verzgerte  sich dann jedoch noch so lange, das der Apple II  vorher auf den
Markt  kommen  konnte  und der PET dann nur noch zweiter wurde.  Der PET war
ein  Riesenerfolg,  er	hatte  jedoch  nur  einen   geringen Einflu auf die
amerikanische  Computergeschichte, weil Tramiel  den PET berwiegend auf dem
europischen Markt verkaufte.
 PET  steht  fr  'Personal  Electronic  Transactor',  oder,  wenn man bsen
Zungen Glauben schenken mchte, fr 'Peddle's Ego  Trip'.   Der PET war aber
nur  der  Auftakt  fr	eine  Entwicklung   auf  dem Heimcomputersektor, die
ihresgleichen sucht.
 Tramiel  hielt  Ausschau  nach  einer	besonderen  Nische im immer heftiger
umkmpften  Comutermarkt.   Es positionierte  Gerte,  den PET, den VC20 und
spter auch den Commodore 64, am unteren Ende des  Marktes.  Sein Wahlspruch
lautete  'For  the  masses  not for the classes'.  In diesem Motto kommt zum
Ausdruck,  da	Tramiel  ein Produkt  anstrebte,  da sich jedermann leisten
konnte,  und  das  nicht  nur  einer bestimmten Einkommensgruppe vorbehalten
blieb.	 Um  sein Ziel zu erreichen, nahm er auch  Qualittsverluste hin und
vertrat  eine rigorose Auffassung, was den Support und das Marketing anging.
Die  produzierten  Computer  muten  genauso   schnell,  wie  sie produziert
wurden, auf dem Weltmarkt verkauft werden.
 Sollte hierbei unter Umstnden die eine oder andere Serie  zur Auslieferung
kommen,  die  fehlerhafte  Chips beinhaltete oder andere Mngel  aufwies, so
war dies von untergeordneter Wichtigkeit.  Die Hauptsache war, die Maschinen
wurden	verkauft  und der Umsatz stimmte.  Umtauschen konnte  man die Gerte
immer  noch.   Commodore konnte sich diesen Standpunkt leisten, weil man auf
diesem Feld der alleinige Anbieter war.
 Der Umsatz von Commodore betrug 1967 50 Millionen Dollar  und berstieg die
Milliardengrenze im Jahr 1984.	Zusammen mit dem Umsatz stieg der Gewinn von
3.4  Millionen	im  Jahr 1977 auf ber 100  Millionen  Dollar 1984.  Fr die
wenigen  Investoren,  die  1977  an  der Brse	eine Commodore-Aktie gekauft
hatten,  stellte  sich	der  60fache Gewinn innerhalb von sieben Jahren ein.
Keiner	hatte  dies  jemals  vorausgesehen, und nie hatte es eine Empfehlung
fr  Commodore-Aktien  gegeben.  Jack Tramiels Aktienbesitz  wurde im Januar
1984,  dem  Zeitpunkt, zu dem er Commodore verlie, auf  circa 100 Millionen
Dollar geschtzt.
 Der   Krieg,	den  Jack  Tramiel  angezettelt  hatte,  tobte	mit  solcher
Heftigkeit,  da einige groe  Konkurrenten  schlielich  kapitulierten.  Zu
ihnen  gehrte	Texas  Instruments.   Dieses  Unternehmen   zog sich aus dem
gesamten  Heimcomputermarkt  zurck, weil sie sich dem	Mann, dem sie selbst
von Jahren durch den Einstieg in den Taschenrechnermarkt erheblichen Schaden
zugefgt hatten, geschlagen geben muten.
 Mattell,  der	Hersteller  von  Spielwaren,  und Timex, der Uhrenproduzent,
versuchten  ebenfalls  vergeblich,  auf dem  Heimcomputermarkt Fu zu fassen
und muten schlielich aufgeben.  Atari,  der  wohl  hrteste Konkurrent von
Commodore,  mute  Verluste  in  Hhe	von   Hunderten von Millionen Dollar
hinnehmen.
 Eine  der  Eigenarten	von  Jack  Tramiel  bestand darin, mit Commodore aus
steuerlichen  Grnden  stndig	umzuziehen.  Aus  diesem  Grunde  lt	sich
ber seine geographische Zugehrigkeit zum Silicon  Valley  keine eindeutige
Aussage  machen.   Doch  durch seine bernahme der Firma  Atari im Jahr 1984
mu  man ihn nun wieder ganz klar dem Silicon Valley  zuordnen.  Atari hatte
seit  seiner  Grndung	durch Nolan Bushnell seinen  Hauptsitz in Sunnyvale,
Californien, und auch Jack Tramiel hat ihn bis heute nicht verlegt.
 Bei Commodore lt sich jedoch, neben den Ursprngen in New  York  und  dem
Sitz   in   Kanada,   ein   steter  Wechsel  des  Geschftssitzes   zwischen
Pennsylvania und Silicon Valley verzeichnen.
 Anfang  1984  schockierte Jack Tramiel die Branche durch seinen Weggang von
Commodore.   Er,  der Grnder, verlie	Commodore!   Die  Beweggrnde  dafr
wurden	niemals  bekannt.   Es	gab nur einige offizielle Stellungnahmen und
eine wild brodelnde Gerchtekche.
 Kaum war dieses Gerede verebbt, versetzte Tramiel der Branche einen zweiten
Schock.
 Er  hatte  die  hochverschuldete  Firma  Atari von der Warner Communication
Group  bernommen.   Das  Besondere  an  diesem Deal bestand darin,  da  er
nicht  einen  einzigen Dollar fr die bernahme bezahlt,  sondern  lediglich
Schuldverschreibungen  fr 240 Millionen Dollar  unterzeichnet hatte.  Diese
Schuldverschreibungen  waren  jedoch  nach  einem  bestimmten Modus nur dann
zurckzuzahlen,  wenn  es  ihm	gelang,  Atari	 wieder in die Gewinnzone zu
fhren.
 Tramiel bernahm Atari auf dem Hhepunkt seiner  Karriere  und war willens,
dieser Firma, die er selbst - als er noch  Commodore  befehligte, -  an  den
Rand des Ruins getrieben hatte, als Speerspitze gegen Commodore einzusetzen.
Seine drei Shne und einige Techniker und  Entwicklungsingenieure  verlieen
Commodore  mit	ihm  und wechselten zu Atari.  Seine erste Amtshandlung nach
der  bernahme	von  atari  war  die Entlassung  von  ber 700 Mitarbeitern.
Darber  hinaus  stellte  er zwei Produktlinien ein, verkaufte	freiwerdende
Produktionssttten  und  Grundstcke  und  senkte die Kosten  drastisch,  wo
immer dies machbar war.
 Gerchteweise	war zu hren, da Jack Tramiel	Commodore  verlassen  hatte,
weil  ein  Bruch zwischen ihm und Irving Gould nicht mehr vermeidbar gewesen
sei  und  die beiden nicht mehr miteinander ausgekommen seien.	Irving Gould
bernahm    deswegen	kurzzeitig    das    Ruder   und   betraute   einige
Geschftsfhrer  mit  der  Position,  die  vormals  Jack  Tramiel innegehabt
hatte.	 Keiner  dieser  Tramiel-Nachfolger konnte sich jedoch lange halten,
und  Gould  ist heute noch die treibende und entscheidende Kraft, die hinter
Commodore steht.
 Commodore,  das  Unternehmen,	das  mit den erfolgreichen 64er Computern in
wenigen  Jahren  zur Nummer eins auf dem Markt geworden war, kaufte nach dem
Weggang  von  Jack Tramiel eine kleine Firma im Silicon Valley auf, die sich
mit  der  Entwicklung  und  Herstellung  von Homecomputern  befate, die auf
einem  Motorola-68000-Chip  basierten.	 Diese Firma hie 'Amiga Corp.'  und
hatte  einen  neuen Heimcomputer entwickelt, der geeignet war, die Nachfolge
des  legendren  64er anzutreten.  Angelehnt an den Firmennamen  heit	auch
der  Computer  'Amiga'.   Der  Amiga  war  eine 16/32-Bit-Maschine, die neue
Standards fr Sound und Grafik setzte.	Der Amiga wurde nach  der Aquisition
Commodores  Gegenstand	einiger  erbittert  gefhrter	Rechtsstreitigkeiten
ber  das  Copyright  des  Amiga.  Der Streit  entbrannte zwischen Atari und
Commodore, nachdem Tramiel Atari bernommen hatte.
 Tramiel    behauptete,   der	Verkauf   an   Commodore    verstoe   gegen
Vereinbarungen, die zwischen Atari und der Firma Amiga Corp.  bestanden.  Er
verlangte  kurzerhand  150  Millionen  Dollar  Schadenersatz.	Gleichzeitig
klagte	 er  auch  gegen  Commodore,  weil  die  im  Amiga  benutzten  Chips
Patentrechte  von  Atari verletzten.  Commodore erhob  seinerseits natrlich
in  blicher  Silicon Valley-Manier ebenfalls Klage.  Atari,  so lautete die
Begrndung,  sei  nur  vor Gericht gezogen, weil die Auslieferung  des Amiga
verhindert werden solle.  Sicherlich war dies einer der Grnde, die  Tramiel
diesen Rechtsstreit anzetteln lieen.  Schlielich hatte er  seinen  Amiga -
hnlichen  Computer  unter  dem Namen ST-Computer kurze Zeit vorher  auf den
Markt gebracht.  Er war auf diesem Feld der 16/32-Bit-Heimcomputer noch ohne
Konkurrenz,   und   wenn   er	es   schaffen  sollte,	den  Commodore-Amiga
zurckzuhalten,  dann  wrde  er  auch	weiterhin   konkurrenzlos  verkaufen
knnen.
 Andere  Stimmen  behaupten,  der  persnliche	Streit	zwischen Tramiel und
Gould	sei  einer  der  Hauptgrnde  fr  diesen   'Budenzirkus'   gewesen.
Immerhin  war  die  Klage  so  bedeutsam,  da	 Commodore  zwei  Jahre lang
gezwungen  war,  seine	Aktionre in dem jeweilgen  Jahresbericht auf diesen
noch  offenen  Rechtsstreit  hinzuweisen.  Dieser Streit  wurde dann im Mrz
1987  auergerichtlich	beigelegt,  und  man fand zu einer  einvernehmlichen
Einigung.
 Whrend Jack Tramiel mit dem ST-Computer ein  Amiga-hnliches	Produkt noch
vor  dem  Amiga auf den Markt gebracht hatte, wurde  der Amiga fr Commodore
nach anfnglichen Schwierigkeiten der ersten Baureihe  zu einem Markterfolg,
der  dem  des  Commodore  64  kaum nachsteht.  Am Anfang war die Technik des
Amiga	noch   nicht   ganz  ausgereift,  und  der  Benutzer  hatte  manchen
Datenverlust  zu beklagen.  Im westdeutschen Werk Braunschweigwurde dann aus
dem  Amiga  1000  der  Amiga  2000 entwickelt.	Dieser, der zusammen mit dem
Amiga  500  die  Amiga-Reihe bildet, war dann endlich ausgereift und verhalf
dem  Amiga  zu dem ntigen serisen Auftreten.	Der 500er  wurde  zum reinen
64er-Nachfolger  und  gilt  als Spielecomputer der Spitzenklasse.  Der Amiga
500  wird  heute  offiziell als Nachfolger des Commodore 64 bewertet, obwohl
auch   der   64er   nach   wie	vor  jedes  Jahr  in  einer  Stckzahl	 von
Hunderttausenden  verkauft wird.  Weltweit sind einige Millionen 64-Computer
im   Einsatz,	und   die   Zahl   der	 verkauften  Amiga-Gerte  hat	 die
Millionengrenze ebenfalls bereits berschritten.
 Einer	der  grten  Mrkte  und  einer   der	Hauptumsatztrger  liegt  in
Europa,  und  hier ist es besonders Deutschland, wo schon zu Tramiels Zeiten
eine starke Marktposition aufgebaut worden war.  Interessanterweise hat sich
auch  Atari auf dem westdeutschen Marlt extrem	gut etablieren knnen, nicht
zuletzt,   weil   Tramiel   nach   dem	Weggang  von  Commodore  einige  der
Sttzpfeiler  des  westdeutschen Commodore-Geschftes  zu  Atari Deutschland
abwerben knnte.
 Nachdem  Commodore  die  Marktfhrerschaft im	Heimcomputerfeld  bernommen
hatte, entschlo sich Irving Gould mit seinem  Managment, im Bereich des bis
1985  zum  Industriestandard  avancierten  IBM PC Personalcomputers aktiv zu
werden.   Commodore  bietet  heute  eine vollstndige  Reihe IBM-kompatibler
PC's.  Angefangen vom kleinen IBM-PC Kompatiblen mit zwei Laufwerken bis hin
zum  IBM-AT-kompatiblen  Rechner verfgt Commodore  ber  eine	vollstndige
Computerreihe  fr  die  Geschftswelt	und  ist  auch	in diesem Markt sehr
erfolgreich.






